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EMKNI - 16.08.2006   Zurück zur Übersicht

Albanien: Bäume für die Zukunft

Bergregion bei BishnicaDie Menschen im kleinen südosteuropäischen Land Albanien stehen vor grossen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen. Angesichts einer hohen Arbeitslosigkeit setzen sie oft ihre ganze Hoffnung auf die Flucht in die Europäische Union. Wer nicht genug Geld hat, um über die Adria zu fliehen, oder wer seine Familie nicht verlassen will, muss sehen, wie er sich irgendwie über Wasser halten kann. Für die Bewohner der schwer erreichbaren Dörfer in den Bergregionen bedeutet dies oft, durch einen Wegzug in die Städte ihre Situation zu verbessern zu versuchen. Das ist zum einen verständlich, bringt aber auch ein Ausbluten der ländlichen Regionen Albaniens mit sich. Verschärft wird die Situation in den Bergregionen durch die Tatsache, dass als Folge des Holzschlags und -verkaufs (oft noch die einzige Einnahmequelle der Familien) die Berge und Hügel kahl geworden sind. Nun lässt die Erosion immer wieder Hänge abrutschen, macht Strassen unpassierbar und gefährdet die Dörfer.

Der Christliche Hilfsverein in Wismar (Deutschland) setzt sich seit über 10 Jahren für die Menschen in Albanien ein. Mit zahlreichen Hilfstransporten konnte eine markante Verbesserung der schulischen Infrastruktur in verschiedenen Dörfern erreicht werden. Daneben wurden mehrere sozial-diakonische Projekte realisiert, so zum Beispiel im medizinischen und im landwirtschaftlichen Bereich. Aus dieser umfangreichen Hilfstätigkeit entstand aber nicht zuletzt auch - nach vielen Jahrzehnten Unterbruch - wieder eine Gemeindearbeit der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK).

Und nun soll ein Aufforstungsprojekt zu einer positiven Entwicklung der Region um das Bergdorf Bishnica und auch zur Existenzsicherung der dort lebenden Menschen beitragen. Frieder Weinhold, Vorsitzender des Christlichen Hilfsvereins in Wismar, Pastor der dortigen EMK-Gemeinde und Verantwortlicher für die EMK-Gemeindearbeit in Albanien, nahm vom 2. bis 6. August 2006 an einer Evangelischen Allianz-Konferenz in Bad Blankenburg (Thüringen/Deutschland) teil. An deren Rand traf er Matthias Schwimmer, Referent für Forstpolitik im Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt, um mit ihm über eine Zusammenarbeit im Rahmen des Projekts «Bäume für die Zukunft» zu sprechen. Der 42-jährige Forstfachmann Schwimmer hatte vor fünf Jahren im Saalfelder Stadtwald mit einem Experiment Neuland betreten: Eine Waldfläche wurde ausgeforstet, nur einige grosse Bäume blieben stehen. Die gesamte Fläche wurde zum Schutz vor Wildverbiss mit Gattern eingefriedet. «Und dann haben wir nur gewartet, was passiert», so Schwimmer. Die ebenso einfache wie vergleichsweise finanziell nicht aufwändige Forstwirtschaft durch Unterlassen erwies sich als erfolgreich. Die grossen Bäume wuchsen «noch besser ins Geld», an den Stümpfen schlugen junge Triebe aus, die später Brennholz lieferten, und der Waldboden wurde dank mehr Lichteinfall schnell wieder ein üppig mit Pflanzen belebter Bereich.

Grundsätzlich scheint eine Wiederholung des Experiments «Stadtwald» in Bishnica und Umgebung möglich. Um genauere Aussagen treffen und ein weiteres Projekt planen zu können, wird Matthias Schwimmer nun noch in diesem Jahr zusammen mit Pastor Frieder Weinhold nach Albanien reisen.


Quelle: CHW / Urs Schweizer, Assistent des Bischofs Dr. Patrick Streiff

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