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EMKNI - 11.01.2006   Zurück zur Übersicht

Schweiz: Das Leben umarmen – trotz allem

Mit einer Rekordzahl von über 80 Teilnehmenden stiess der erste Anlass von »Theologie im Gespräch - TiG« am 7. Januar 2006 in Zürich auf grosses Interesse. Robert Seitz, Pfarrer im Ruhestand, und der Musiker Christof Fankhauser schufen eine Symphonie von Musik und Wort auf hohem Niveau, mit der sie die Freiheit des Reich Gottes proklamierten.

Eine musikalische Meditation, untermalt mit heiter-besinnlichen Texten und Liedern, öffnete Geist und Herzen für die Kerngedanken des Tages: Freiheit im Zeichen des Himmels auf Erden.

Robert Seitz knüpfte bei der Bergpredigt und bei einer der Kernreden Jesu an, den „Seligpreisungen". „Selig werden hier Frauen und Männer gesprochen, die aus ihm, Jesus, und aus seinen Worten und Handlungen keine Skandalgeschichte machen," betonte Robert Seitz. „Sie haben das Wesen des Himmelreiches, das nun schon gekommen ist und gleichzeitig auch noch kommen wird, verstanden. Das Himmelreich ... deckt sich nicht mit der religiösen und weltlichen Alltagsliturgie – sie ist etwas Neues, wahrhaft Alternatives, eben für viele etwas Ärgerliches.“

„Heute ahnen wir: nur in einem ganz neuen Verständnis von Menschheit und Schöpfung liegt Zukunft und Leben,“ folgerte Seitz. „Neue Werte müssen das Alte, das auch heute Barbarische, ablösen. Die neuen Menschen, welche Jesus glücklich preist, sind Hungernde, Weinende, Gewaltlose, in denen die Zuwendung Gottes zu den Menschen aufleuchtet, „die Liebe eines Gottes, der die sichtbaren und unsichtbaren moralischen, religiösen und gesellschaftlichen Grenzen sprengt.“

Überzeugend übersetzt Robert Seitz die Worte der Seligpreisungen in unsere Zeit. Die Armen vor Gott sind demnach Menschen, die aufgehört haben, „mit ihrem Erfolg und ihren Erfahrungen ihren Mitmenschen ständig in den Ohren zu liegen“. Konkret zum Beispiel von Verwaltungsräten, die aufgehört haben, „alles mit neutralen Bergriffen der Geschäftswelt zu beschönigen“. Statt einer weissen Weste repräsentieren sie „nur noch empfangene Gnade im Stückwerk ihres Lebens“.

Ihnen mutet Jesus nicht mehr das Joch strenger religiöser Ordnungen und Gesetze, religiöse und gesellschaftliche Disqualifizierung zu, sondern bietet ihnen „die faszinierende Freiheit einer unmittelbaren Liebe“ an.

Er stellt damit die Welt auf den Kopf, zum Beispiel das Denken in Hierarchien. Er kehrt sie aber auch nicht einfach um, was einer Diktatur der Zukurzgekommenen den Weg bereiten würde. Seine neue Losung lautet: „Leben und zukünftiges Leben ist nicht herrschen, sondern füreinander da sein.“ Eine befreiende, wenn auch hoch politische Aktualisierung. Und ein Anstoss zum „Aufatmen und frei sein“, wie es in der Tagungseinladung stand.

»TiG« wird verantwortet von der Fachstelle Bildung und Beratung der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) Schweiz-Frankreich. Der nächste »TiG«-Anlass findet am Samstag, den 4. Februar 2006, in der Evangelisch-methodistische Kirche "Zelthof" an der Promenadengasse in Zürich statt. Dr. theol. Jörg Barthel, Dozent in Reutlingen, nimmt das Thema auf: "Kein anderer Weg? Was die Bibel zum Thema Homosexualität sagt." Die Kosten für eine Teilnahme an einem der Seminartage (09.30-16.00 Uhr) betragen 30 Franken. Anmeldungen sind zu richten an Walter Wilhelm, Gellertstrasse 160, 4052 Basel; Tel. 061 312 02 76, Fax 061 312 02 80, E-Mail: walter.wilhelm@umc-europe.org.


Quelle: Fritz Imhof

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