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EMKNI - 18.01.2006   Zurück zur Übersicht

Makedonien: Die aktuelle Situation der Kosovo-Roma

Wie sieht die aktuelle Situation der Kosovo-Roma in Makedonien aus (siehe auch EMKNI-Meldung vom 25.05.2005)? Ein Bericht von Urs Schweizer:

Finanzielle Situation: Die Kosovo-Roma erhalten derzeit finanzielle Hilfe in der Höhe von 48 Euro/Monat für eine erwachsene Person und 33 Euro/Monat für ein Kind bzw. einen Jugendlichen bis 18 Jahren — oft allerdings nur mit Verspätung. Weil die Miete für ein Zimmer durchschnittlich 100 Euro/Monat beträgt, bleiben einer vierköpfigen Familie gerade mal noch gut 60 Euro/Monat zum Leben. Um diese Situation zumindest ein wenig zu entschärfen, haben Verantwortliche der EMK in Makedonien am 25. Dezember 370 Pakete mit Lebensmitteln (Reis, Multivitamine, Öl, Zucker, Fisch- und Fleischkonserven, weisse Bohnen, Kaffee, Salz, Makkaroni, Paprika) und Hygieneartikeln (Waschpulver, Shampoo, Seife) verteilt — zum Preis von 10 Euro pro Paket. Dank der Hilfe des HEKS, des Hilfswerkes der Evangelischen Kirchen in der Schweiz, sind am 31. Dezember ausserdem noch 520 Neujahrspäckchen an Roma-Kinder in Suto Orizari verteilt worden.
Inzwischen ist es aber auch in Makedonien kalt geworden, und die Menschen brauchen nicht nur Lebensmittel, sondern auch Holz zum Heizen. Anfang Winter haben alle Kosovo-Roma eine einmalige Winterhilfe erhalten — eine vierköpfige Familie hat mit ihren 30 Euro einen knappen Kubikmeter Brennholz kaufen können. Das muss für die kommenden Wochen und Monate reichen.

Medizinische Versorgung: In den letzten beiden Monaten des Jahres 2005 sind den Roma zwar zwei Ärzte, aber keine Medikamente zur Verfügung gestellt worden — angesichts vieler Krankheiten eine enorme Belastung für die Roma-Familien. Mit Spendenmitteln in der Höhe von ca. 3'000 Euro wollen die Verantwortlichen der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) in Makedonien nun die am dringendsten benötigten Medikamente besorgen und den Menschen mit gesundheitlichen Problemen helfen.

Schulischer Bereich: Zu Beginn des Schuljahres 2004/2005 haben 140 Kinder von Roma-Familien eine Schule besucht. Diese Zahl hat sich leider während des Schuljahres deutlich reduziert. Die Gründe dafür sind vielschichtig: kein Schulmaterial, keine Kleidung, Unterernährung und daraus resultierend gesundheitliche Probleme. Vor allem aber: Vielen durch die unsichere Situation und die ständige Angst vor der Abschiebung psychisch angeschlagenen Eltern ist der Schulbesuch ihrer Kinder kein wichtiges Anliegen.
Für das Schuljahr 2005/2006 haben sich zwar nur noch 40 Roma-Kinder eingeschrieben. Gemäss dem Direktor der Grundschule in Suto Orizari sind es gegenwärtig aber doch zwischen 60 und 150 Kinder, welche sehr unregelmässig die Schule besuchen. Einem Teil dieser Kinder — nach nicht nachvollziehbaren Kriterien ausgewählt — hat das Flüchtlingskommissariat der UNO (UNHCR) Schulbücher, nicht aber Hefte und Schreibmaterial usw. besorgt. Bezüglich der Bedingungen, welche im vergangenen Jahr für die negative Entwicklung im schulischen Bereich gesorgt haben, hat sich also nur wenig geändert. Deshalb prüfen die Verantwortlichen der EMK, an der Schule interessierten Kindern Kleider, Schuhe und Schulmaterial zur Verfügung zu stellen. Für 60 Kinder würde dies ca. 7'000 Euro kosten.
Eine solche Aktion dürfte allerdings kaum zum Ziel führen, wenn die Kinder und Jugendlichen nicht noch eine Person haben, welche sie in ihrem Alltag begleitet, für den Schulbesuch ermutigt, bei Schwierigkeiten hilft und für Fragen Anlaufstelle ist. Eine Person also, die letztlich nicht nur die Kinder und Jugendlichen unterstützt, sondern auch deren Eltern. Deshalb werden derzeit beide Anliegen gleichzeitig geprüft.

Gemeinschaftszentrum: In der Zwischenzeit haben die Verantwortlichen der EMK und die Kosovo-Roma einen Platz gefunden, der für 16'000 bis 20'000 Euro gekauft werden könnte. Es wäre eine sehr gute Gelegenheit für den Bau eines Gemeinschaftszentrums — und dieses Projekt ist auch mehr und mehr notwendig. Nicht nur, weil es ein aktiver Schritt wäre gegen die sich immer mehr breit machende Frustration und Willenlosigkeit, noch irgendetwas zu unternehmen, sondern auch, weil es heute an Räumen mangelt, wo sich die Kosovo-Roma treffen könnten. Wegen ihrer schlechten Beziehungen zum UNHCR können dessen Räume nicht mehr benützt werden, und die Kosovo-Roma sind darauf angewiesen, dass ihnen die Grundschule in Suto Orizari einen Raum zur Verfügung stellt. Für eine Realisierung dieses Projekts müssen allerdings zuerst noch Finanzierungsquellen erschlossen werden.

Die Kosovo-Roma wünschen sich, in den Kosovo zurückkehren zu können. Noch ist dort aber ihre Sicherheit nicht gewährleistet. Es ist für sie deshalb eine grosse psychische Belastung, immer nur eine 2 oder 3 Monate gültige Aufenthaltserlaubnis zu erhalten und ständig damit rechnen zu müssen, abgeschoben zu werden. Einen etwas längerfristigen Aufenthaltsstatus zu erlangen, wäre für sie ein grosses Geschenk. Ausserdem hoffen die Kosovo-Roma auf eine Verbesserung ihrer Beziehung zum UNHCR — und auch untereinander, nachdem es von aussen wirkenden Kräften gelungen ist, Zwietracht zu säen und die Lage der Roma noch mehr zu erschweren. Es braucht weiterhin Menschen, welche in Suto Orizari das Besondere tun. Und Menschen, welche dies ermöglichen.


Quelle: Urs Schweizer

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