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EMKNI - 24.01.2006   Zurück zur Übersicht

Liberia: Neue Präsidentin verspricht Veränderungen

Ellen Johnson-Sirleaf, die neu gewählte Präsidentin von Liberia, verspricht, sich für die wirtschaftliche Stabilität im Land einzusetzen, um eine bessere Zukunft für die Jugend und die Kinder sowie für die Frauen zu schaffen. „Wir werden arbeiten, um zu verändern," sagte sie letzte Woche an ihrer Vereidigungsrede am 16. Januar 2006. Sie ist die erste Frau, die zum Oberhaut eines afrikanischen Staates gewählt worden ist, und sie ist aktives Mitglied der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK).

"Ich applaudiere dem Durchsetzungsvermögen unseres Volkes, das so durch Armut entmenschlicht und durch vierzehn Jahre Bürgerkrieg gefesselt worden ist, das den Mut hatte, zur Wahl zu gehen, um abzustimmen – und das nicht einmal, sondern zweimal – für mich und den Vizepräsidenten Joseph Nyuma-Boakai." In einem Statement, das der Presse abgegeben wurde, beglückwünschte Kofi Annan, Generalsekretär der UNO, das Volk von Liberia wegen dem friedlichen und transparenten Wahlprozess. Die Einführung einer demokratisch gewählten Regierung beendet die zweijährige Übergangsperiode aus der Friedensvereinbarung, die im Jahr 2003 unterzeichnet worden war.

Unter bewölktem Himmel begann die neue Präsidentin ihre Rede mit der Erinnerung an ihre beiden Grossmütter, die Analphabeten waren, und ihre Eltern, die ihr beigebracht hatten, "das zu sein, was sie heute ist." Sie bat um einen Moment der Stille für ein Gebet. Während ihrer 40-minütigen Rede sprach Johnson-Sirleaf mehrmals über ihren Glauben.

Auf dem Gelände des Capitols hatten sich Staatsoberhäupter und Würdenträger aus vielen Ländern der Welt eingefunden, um Johnson-Sirleaf ihre Aufwartung zu machen und ihre Unterstützung für Liberia zu zeigen. Die First Lady der Vereinigten Staaten, Laura Bush – selber auch Mitglied der EMK – leitete die amerikanische Delegation. Johnson-Sirleaf war berührt davon und sagte: "Unsere lieben Brüder und Schwester aus den Vereinigten Staaten, die von der Frau des Präsidenten, George Bush, geleitet werden, erweise ich meine Ehrerbietung und respektvoll heisse ich Sie willkommen." Johnson-Sirleaf legte besonderen Wert darauf, den Westafrikanern zu danken, "die für uns gestorben sind und sich Entbehrungen auferlegt hatten, um uns zu helfen und für uns zu beten."

Die neuen Präsidentin steht vor einer Vielzahl Herausforderungen, einschliesslich die Sicherheit neu zu strukturieren, die Wirtschaft zu stärken, die Menschenrechte zu schützen und Grunddienstleistungen einzuführen, wie zum Beispiel Strom und fliessendes Wasser. Der Bürgerkrieg in Liberia hat einen Grossteil der Infrastruktur des Landes zerstört. Die Liberianer erwarten sehr viel von ihrer neuen Präsidentin, und Johnson-Sirleaf sagte, sie werde die Wirtschaft Liberias "wieder auf die Beine bringen." Und weiter: "Wir müssen Arbeit für das Volk Liberias schaffen, um unser wirtschaftliches und finanzielles Haus in Ordnung zu bringen."

Johnson-Sirleaf reicht die Hand zur Freundschaft auch denjenigen, die gegen sie kandidiert hatten und einmal sprach sie George Weah, dem politischen Gegner, der ihr am nächsten gekommen war, direkt an. "Ich glaube, dass der Demokratie am Besten gedient wird, wenn die Gegner stark und aktiv sind," sagte sie. Weah nahm auch an der Feier teil.

Sie bat diejenigen Liberianer, die während des Krieges aus dem Land geflohen waren, zurückzukehren und am Wiederaufbau teilzunehmen. Sie sagte, sie würde auch denjenigen in den Flüchtlingslagern helfen, ihr Leben wieder aufzubauen.

"Ihre Aufgabe als Bürger liegt darin, für ihre Familie und ihr Land zu arbeiten," sagte sie. "Die Aufgabe der Regierung liegt darin, für Sie zu arbeiten."

Johnson-Sirleaf versprach, dass die Tage des Terrors vorbei seien und sagte, "Korruption wird unser Feind Nummer Eins" in unserer Administration werden. Sie versprach, dass jeder in ihrer Administration sein Vermögen offen legen müsste. "Ich werde die erste sein, die dem nachkommt," sagte sie unter Applaus der Anwesenden.

Bevor sie ihre Rede beendete, schloss Johnson-Sirleaf mit Worten für die Frauen von Liberia, Afrika und der Welt. "Frauen haben viel Unrecht und Unmenschliches erlitten... aber es sind die Frauen, die für den Frieden gearbeitet und ihn befürwortet haben." Sie dankte den Frauen Liberias, die "eine unvergleichbare Leidenschaft" für ihrer Kandidatur entwickelt hatten. Sie werde dafür arbeiten, um sicher zu stellen, dass die Frauen ihren gerechten Platz im wirtschaftlichen Prozess haben.

Entschlossen sagte sie zum Schluss: "Wir sind gut, wir sind freundlich, wir verzeihen und wir gehören Gott... wir haben eine Zukunft voller Zusagen und Hoffnung, und wir werden nicht versagen."

Eine Tag zuvor, am Sonntag, dem 15. Januar 2006, war ein Gottesdienst in ihrer Kirche abgehalten worden, der vom liberianischen Bischof, John Innis, sowie Bischof Peter Weaver, Präsidenten des Bischofsrats der EMK, geleitet wurde. Bischof Weaver übergab Ellen Johnson-Sirleaf eine Bibel, die von allen Bischöfen der Kirche unterschrieben worden war.


Quelle: EMKNI / United Methodist News Service

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