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EMKNI - 12.07.2006   Zurück zur Übersicht

Makedonien: Die Kosovo-Roma in Suto Orizari können immer noch nicht in ihre Heimat zurückkehren

Seit nunmehr 7 Jahren leben die Kosovo-Roma in Suto Orizari als Vertriebene in Makedonien. Sie sind unerwünscht, und viele sähen es gerne, die inzwischen noch 324 Familien mit 1530 Personen würden endlich in die nahe und doch so ferne Heimat Kosovo zurückkehren. UNO-Vertreter berichten denn auch von deutlichen Verbesserungen der allgemeinen Lage im Kosovo. Die Realität allerdings sieht anders aus. Einige Roma reisten unlängst in den Kosovo, um vor Ort Informationen über allfällige Rückkehr-Möglichkeiten einzuholen. Sie kamen entmutigt zurück und berichteten davon, wie unerträglich ein Leben in ihrer Heimat gegenwärtig wäre. «Wollt ihr denn überhaupt in den Kosovo zurück? Und, falls ja, wann?», werden die Roma ständig gefragt. Ihre Antwort ist immer dieselbe: «Wir sind bereit in den Kosovo zurückzukehren, wenn die internationale Gemeinschaft unsere zerstörten oder enteigneten Häuser wieder aufbaut oder ersetzt, uns eine Lebensexistenz schafft und wir in Frieden leben können.» Solange aber die Voraussetzungen für eine sichere Rückkehr nicht gegeben sind, bleiben die Kosovo-Roma lieber in Makedonien - auch wenn die Bedingungen dort nicht eben freundlich sind.

Mihail Cekov, Pfarrer der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) in Makedonien, steht noch immer in regelmässigem Kontakt zu den Kosovo-Roma in Suto Orizari. Zusammen mit anderen Gliedern der EMK versucht er, vor allem den Jugendlichen das Gefühl zu geben, dass da Menschen sind, die an ihrem Leben Anteil nehmen und sich für eine bessere Gegenwart und Zukunft einsetzen. Dabei bleibt ihm nicht verborgen, mit welchen Problemen die meist sich selbst überlassenen Jugendlichen zu kämpfen haben: Alkoholismus, Drogen, Prostitution, Bettelei. Immer wieder kommt es auch vor, dass 12- oder 13-jährige Mädchen zwangsverheiratet werden.

Am 20. Juni 2006, dem internationalen Flüchtlingstag, organisierten die jungen Roma in Suto Orizari verschiedene Aktivitäten. So wurde zum Beispiel neben einem Malwettbewerb auch ein Fussball-Turnier durchgeführt. Als kleines Zeichen der Unterstützung organisierte die EMK 30 T-Shirts für die Spielerinnen und Spieler. Darüber hinaus nahmen auch zwei Jugendliche der EMK am Turnier teil.

Anfang August 2006 werden zwölf Roma aus Suto Orizari ins Jugendcamp der EMK in Makedonien, Albanien und Bulgarien fahren können. Die Finanzen dafür werden von der Weltmission der EmK in Deutschland und von Connexio, dem Netzwerk für Mission und Diakonie der EMK in der Schweiz und in Frankreich aufgebracht.

So schnell solche Aktivitäten auch jeweils wieder der Vergangenheit angehören - sie helfen den Jugendlichen, für einen Moment aus ihrer Situation auszubrechen und die Hoffnung zu bewahren, dass ihr Leben einmal ein anderes, besseres sein wird.

Pfarrer Mihail Cekov setzt sich auch nach wie vor dafür ein, einen Bauplatz zur Errichtung einer Baracke mit einem Begegnungssaal erwerben zu können. Dort könnten zum Beispiel Alphabetisierungskurse, Handarbeiten, sportliche Aktivitäten und ähnliches angeboten werden. Eine solche Begegnungsstätte würde auch der EMK die Begegnungen mit den Kosovo Roma erleichtern. Für einen solchen Bauplatz müssten allerdings zuerst einmal 15 000 Euro aufgebracht werden.

Eine völlig unbefriedigende Situation zeigt sich leider in Bezug auf die schulische Ausbildung der Kinder und Jugendlichen. Zu Beginn des Schuljahres - im September 2005 - gingen 360 Kinder zur Schule. Von diesen Kindern blieben nur 14 übrig, die das Schuljahr auch beendeten! Zu einem nicht unwesentlichen Teil liegt dies daran, dass die Kinder weder gute Kleidung noch Bücher und andere Hilfsmittel haben. Daneben wirkt es sich aber auch negativ aus, dass sie meistens von ihren Eltern keine Unterstützung erfahren. Pfarrer Mihail Cekov erachtet es deshalb als wichtig, dass die Kinder (und ihre Eltern) viel Ermutigung finden und auch Nachhilfeunterricht erhalten können. Ist dies nicht gegeben, dann zielen die Bemühungen um eine Verbesserung der schulischen Situation ins Leere.

Zur gesundheitlichen Situation der Kosovo-Roma berichtet Pfarrer Mihail Cekov: «Die Menschen leiden unter schweren Depressionen, Hoffnungslosigkeit und Angst vor Abschiebung. Sie sind kaputt und sterben jeden Tag ein wenig mehr.» Zwar gibt es Ärzte, welche die Roma untersuchen. Die nötigen Medikamente (Beruhigungsmittel, Antidepressiva, Medikamente gegen Magen-Darm-Erkrankungen) abgeben können sie allerdings nur sporadisch - und nur selten in den benötigten Mengen.

Die Kosovo-Roma müssen also weiter auf die Rückkehr in ihre Heimat und auf markante Veränderungen ihrer Situation zum Guten warten. Und so werden die Menschen der EMK in Makedonien weiterhin nach ihren Möglichkeiten kleine Zeichen der Liebe und Hoffnung setzen.


Quelle: Urs Schweizer, Assistent des Bischofs Dr. Patrick Streiff

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