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EMKNI - 07.06.2006   Zurück zur Übersicht

Serbien: Nach den erneuten politischen Veränderungen

Gottesdienst in Vrbas/SerbienAm 21. Mai 2006 wurde - bei einer Stimmbeteiligung von 86.3% - in Montenegro ein Referendum angenommen, bei dem 55,5% der Bevölkerung für einen Austritt aus der Staatengemeinschaft Serbien-Montenegro stimmten. Das Parlament Montenegros bestätigte dieses Resultat am 3. Juni 2006 offiziell und erklärte damit die Unabhängigkeit des Landes. Das serbische Parlament seinerseits verabschiedete am 5. Juni 2006 eine formale Unabhängigkeitserklärung Serbiens. Damit wurde die Staatengemeinschaft Serbien-Montenegro faktisch aufgelöst.

Die neuerlichen politischen Veränderungen haben auch Auswirkungen auf die Evangelisch-methodistische Kirche (EMK). Diese sind nicht so sehr praktischer Art. Nach dem Zerfall des damaligen Jugoslawiens mussten ein Nord-Distrikt in Serbien-Montenegro und ein Süd-Distrikt in Makedonien gebildet werden - allerdings immer noch zur selben Jährlichen Konferenz (Synode) gehörend. Da es keine methodistischen Gemeinden in Montenegro gibt, ist eine solche Distrikts-Neubildung heute kein Thema.

Auch das unlängst verabschiedete Religionsgesetz (vgl. Meldung vom 24. Mai 2006) war und ist in seiner Gültigkeit auf die Republik Serbien beschränkt und bleibt von den Veränderungen unberührt.

Die Auflösung der Staatengemeinschaft hat aber beträchtliche emotionale Auswirkungen. So befinden sich die meisten EMK-Gemeinden in der nördlich der Donau gelegenen autonomen Provinz Vojvodina. Dieses Gebiet ist bis heute von einer grossen ethnischen Vielfalt geprägt. Neben den Serben als Bevölkerungsmehrheit leben in der Vojvodina unter anderem auch Kroaten, Slowaken, Ungaren, Rumänen, Sinti und Roma. Die Unabhängigkeit Montenegros bringt nun auch erneute Unruhe in das einigermassen stabile Gefüge. Bischof i.R. Heinrich Bolleter, der Ende Mai eine Pastorenversammlung in Serbien leitete, schreibt dazu: «Die politische Lage beengt die Herzen. Nachdem sich Montenegro von Serbien verabschiedet hat, steht die Frage im Raum, was die Vojvodina zu tun gedenkt. Man fürchtet einen Kampf unter den verschiedenen Ethnien. Das lähmende Klima bleibt über der Vojvodina. Wie unter einer Glasglocke wächst das Klima der Frustration und der Angst. Der emotionale Pegel steigt.»

In einem solchen Klima eine Botschaft des Friedens und der Hoffnung weiterzugeben, ist eine grosse Herausforderung für die EMK, in der sie auf solidarisches Mittragen durch die europäische und weltweite Kirchenfamilie angewiesen ist.


Quelle: Urs Schweizer, Assistent des Bischofs Dr. Patrick Streiff

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