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EMKNI - 26.06.2006   Zurück zur Übersicht

USA/Europa: Zum 60. Todestag von Bischof John Louis Nuelsen

Bischof Dr. John L. NuelsenHeute vor 60 Jahren, am 26. Juni 1946, starb in Cincinnati, OH (USA) Bischof Dr. John Louis Nuelsen im Alter von 79 Jahren. Nicht nur in den USA, sondern auch in Europa nahmen viele Menschen Abschied von einem Mann, der die Geschichte der Bischöflichen Methodistenkirche in Europa nachhaltig geprägt hatte.

John Louis Nuelsen wurde am 19. Januar 1867 als Sohn des deutsch-amerikanischen Predigers Heinrich Nuelsen und dessen Ehefrau Rosalie geboren. Nach seiner Schulzeit in Karlsruhe und Bremen (Deutschland) sowie dem Studium der Theologie in Madison, NJ (USA), Berlin und Halle (Deutschland) wirkte Dr. John Louis Nuelsen vor allem als Lehrer an methodistischen Ausbildungsstätten in den USA, bevor er 1908 zum Bischof geweiht wurde. Nach vierjährigem bischöflichem Dienst im Omaha-Sprengel (Nebraska/USA) wurde ihm 1912 die Aufsicht über die Bischöfliche Methodistenkirche in Europa übertragen.

Damit begann eine lange, reich gesegnete Zeit bischöflicher Aufsicht in seiner alten Heimat. Bis 1920 leitete er den gesamteuropäischen Bischofssprengel. Dann wurde die Arbeit aufgeteilt, und Bischof Nuelsen wurde mit der Leitung des Zürcher Sprengels (ab 1925 als Zentralkonferenz von Mitteleuropa organisiert) betraut, dem damals die Bischöfliche Methodistenkirche in Deutschland, der Schweiz, Österreich, Ungarn, Russland und dem Baltikum angehörte. Als 1936 die Generalkonferenz der Bischöflichen Methodistenkirche erlaubte, im Deutschen Reich eine eigene Zentralkonferenz zu gründen und einen eigenen Bischof zu wählen, verloren die übrigen kleinen methodistischen Konferenzen und Missionen den Status einer eigenständigen regionalen Körperschaft und wurden - weiterhin unter der Aufsicht von Bischof Nuelsen - zu einem direkt der Generalkonferenz zugeordneten bischöflichen Sprengel. Weil Bischof Nuelsen im selben Jahr seinen Wohnsitz nach Genf verlegte, entstand der für dieses Gebiet da und dort auch heute noch gebräuchliche Name «Genfer Sprengel».

Während insgesamt 28 Jahren - also bis zum Eintritt in den Ruhestand im Jahr 1940 und der damit verbundenen definitiven Rückkehr in die USA - versah Bischof Nuelsen seinen Dienst in Europa. Die Rahmenbedingungen dafür waren alles andere als ermutigend, wurde der europäische Kontinent in dieser Zeit doch von tief greifenden Umbrüchen und notvollen Situationen geschüttelt.

Bischof Dr. John L. Nuelsen war in verschiedener Hinsicht ein weitsichtiger Brückenbauer. So überquerte er mehr als 25 Mal den Atlantischen Ozean - damals selbstverständlich noch mit dem Schiff - und stärkte damit die Beziehungen zwischen seiner Kirche in den USA und in Europa. Davon profitierten zum Beispiel nach dem Ersten Weltkrieg Tausende Kinder in Europa. Bischof Nuelsen schuf ein europaweites Hilfswerk, das bis tief nach Russland hinein wirkte und nicht auf die methodistische Kirche beschränkt war. Durch seine Tätigkeit wurden damals verschiedene Kindererholungsheime gegründet und ganze Wagenladungen von Lebensmitteln und Kleidern in die Not leidenden Länder gesandt.

Auch in der zwischenkirchlichen Zusammenarbeit pflegte Bischof Nuelsen viele gute Kontakte. Er setzte sich damit nicht nur für ein gemeinsames christliches Zeugnis verschiedener Kirchen ein, sondern führte die Bischöfliche Methodistenkirche dadurch auch von einer diskriminierten Sekte zu einer evangelischen Freikirche.

Brückenbauer war Bischof Nuelsen aber nicht zuletzt auch in seinem eigenen Aufsichtsgebiet. Anlässlich der Gründung der Zentralkonferenz von Mitteleuropa im Jahr 1925 sagte er: «Unser Zusammengehören stellt den trennenden Mächten des irdischen Lebens die verbindende und einende Kraft der ewigen Gemeinschaft mit Gott gegenüber. Diese Kraft ist stärker als jede familiäre Verbindung, tiefer als alle nationalen oder ethnischen Beziehungen und einen stärkeren Zusammenhalt schaffend als jede geschichtlich gewachsene Solidarität. In ihr wollen wir die Arbeit, die uns von der Kirche anvertraut ist, beginnen und - wenn es Gottes Wille ist - auch vollenden.» Das waren herausfordernde Worte in einer spannungsvollen Zeit!

Neben seiner umfangreichen Tätigkeit als Bischof der Bischöflichen Methodistenkirche in Europa war Bischof Dr. John L. Nuelsen auch literarisch sehr aktiv. Er verfasste nicht nur zahlreiche Werke, vor allem zum Neuen Testament und zum Methodismus, sondern war auch Mit-Herausgeber der deutsch-amerikanischen «Zeitschrift für Theologie und Kirche».

Die letzten Jahre seines Lebens war Bischof Nuelsen wegen des Krieges von seinem liebgewordenen Sprengel schmerzlich getrennt. In einem kurzen Nachruf vom 7. Juli 1946 bezeichnete der von der Methodistenkirche in der Schweiz herausgegebene Schweizer Evangelist es aber auch als «Gnade vom Herrn, dass er die furchtbaren Folgen des Krieges, die über eine von ihm so herzlich geliebte Welt hereingebrochen sind, nicht mehr hat sehen müssen».

Bischof Dr. John L. Nuelsen war von 1896 bis 1933 mit Luella Elisabeth geb. Stroeter verheiratet. Sie hatten keine Kinder.


Quelle: Sekretariat des Bischofs Dr. Patrick Streiff - Urs Schweizer

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