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EMKNI - 14.03.2006   Zurück zur Übersicht

Welt/Österreich: Leidenschaftliche und offene Gespräche bei der Internationalen Konsultation der EMK

Die 5. Internationale Konsultation der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK), die vom 1. bis 6. März 2006 in Wien stattfand (siehe auch EMKNI-Meldung vom 28.02.2006), hat sich intensiv mit dem kircheneigenen Dokument »Soziale Grundsätze der Evangelisch-methodistischen Kirche« auseinandergesetzt. Die kritische Auseinandersetzung mit Fragen der Gesellschaft, der Wirtschaft und der Politik in der Gestalt eines kirchlichen Dokuments hat eine lange Tradition in der EMK. Die erste öffentliche Stellungnahme in dieser Form ist im Jahre 1908 erfolgt.

Über 60 Personen aus den USA und aus 15 europäischen Ländern trafen sich in Wien zu Beratungen, um im Blick auf das Jahr 2008, in dem die EMK „100 Jahre Soziale Grundsätze“ feiern will, den Sozialen Grundsätzen eine Form und Gestalt zu geben, die der weltweiten Gemeinschaft der EMK angemessen ist. Die Kritik, die seit langem in Europa, Asien und Afrika ausgesprochen worden ist, hat zwar das grundsätzliche Anliegen der Sozialen Grundsätze bejaht, aber die Dominanz US-amerikanischer Sprache und Lösungsvorschläge bemängelt.

Die Teilnehmer an der Konsultation waren Vertreter von drei gesamtkirchlichen Behörden, der Behörde „Kirche und Gesellschaft“, „Ordiniertes Amt und höhere Studien“ und „Weltweite Dienste“ und Bischöfe und Bischöfinnen, Pfarrer und Pfarrerinnen, Professoren und Professorinnen, und Laien aus den angegebenen Ländern. Nach der grundsätzlichen Orientierung am Anfang durch Bischof Heinrich Bolleter und dem Generalsekretär der gesamtkirchlichen Behörde „Kirche und Gesellschaft“ in Washington, Dr. James Winkler, hörte die Konsultation zwei Grundsatzreferate von Prof. Dr. Karl Kumpfmüller aus Graz, Österreich, und Prof. Dr. W. Douglas Meeks aus Nashville, USA. Die Konsultation hat sich schon in der Planung auf nur zwei Sachbereiche eingestellt: „Gott – Geld – Globalisierung“ und „Krieg und Frieden“.

Professor Kumpfmüller betonte die sich rasant öffnende Schere zwischen Arm und Reich in der Welt und die Konzentration von Macht und Geld auf drei Zentren in der Welt (USA, EU-Bereich und Japan/Hongkong), wo die Entscheidungen fallen. Professor Meeks sprach die Forderung aus, sich im wirtschaftlichen und politischen Handeln an der Ökonomie Gottes zu orientieren, die einen Tisch für alle bereit hält. Das eigentliche Problem, dem sich die EMK (und im Grunde wohl alle Kirchen) stellen muss, ist die Armut in der Welt und die Beziehung zum Besitz. Sehen sich die Menschen als Verwalter des ihnen Anvertrautem (das wäre die biblische Perspektive) oder als solche, die selbst und selbstherrlich über Besitz verfügen und entscheiden? Bei der wachsenden Armut in der Welt kann es nicht nur um unmittelbare Hilfe gehen, so sehr dies da und dort notwendig sein mag, sondern um Änderung von Strukturen, die unter dem Anschein von Rechtmässigkeit Armut produzieren.

Beim Thema „Krieg und Frieden“ wurde auf die Aufgabe der Kirche zur Friedenserziehung hingewiesen. In keinem bekannten Dokument wird der Waffenhandel thematisiert, der legale und der illegale. Die Rolle des Krieges hat sich geändert. Kriegerische Auseinandersetzungen aller Art sind möglich, weil Waffen verfügbar sind. Das Problem der Kindersoldaten gehört hierher und der Aufbau von privaten Armeen. Es bestand darüber Einigkeit, dass Krieg unvereinbar ist mit den Lehren und dem Beispiel Christi. Das ist bereits in den Sozialen Grundsätzen festgeschrieben.

Die Gespräche in der Konsultation wurden mit Leidenschaft und erfreulicher Offenheit geführt. Alle Teilnehmer hatten den Eindruck, gehört worden zu sein. Dennoch wurde festgehalten, dass solche Gespräche weiter geführt werden müssen, wenn es zur Erneuerung des Denkens und als Konsequenz zu Veränderungen kirchlicher Strukturen kommen soll. Und es wurde auch die Bereitschaft ausgesprochen, nach Möglichkeiten zu suchen, solche Beratungen möglich zu machen. In diese Beratungen sollen aber nicht nur Teilnehmer und Teilnehmerinnen an internationalen Konsultationen einbezogen werden, sondern alle Ebenen der Kirche. Der Prozess offener Gespräche darf bei der Tagung der Generalkonferenz der EMK im Jahr 2008 nicht enden, sondern muss weitergehen.

Als Ergebnis der Konsultation wurde unter anderem folgendes festgehalten; wir zitieren wörtlich die ersten vier der acht festgehaltenen Punkte (Anm. der Redaktion: GBCS = General Board of Church and Society, die gesamtkirchliche Behörde für Kirche und Gesellschaft. UMC = United Methodist Church, die Evangelisch-methodistische Kirche):

„1. Wir unterstützen die Arbeit des GBCS bei der Erarbeitung eines neuen liturgischen Textes für das Soziale Bekenntnis. Wir fordern den GBCS auf, uns detailliert über die Schritte auf dieses Ziel hin zu informieren. Die Arbeit am Sozialen Bekenntnis hilft uns im Blick auf die Revision der Sozialen Grundsätze.
Das Soziale Bekenntnis wird ein liturgischer Text sein. Es wird eine grosse Herausforderung bei der Übersetzung in andere Sprachen sein, den liturgischen Charakter zu erhalten.
2. Wir fordern die UMC dazu auf, in anderer Weise über die Sozialen Grundsätze nachzudenken. Ausgangspunkt soll ein grundlegendes theologisches Verständnis sowie ein wesleyanisches Heilsverständnis sein. Dies ist keine kurzfristiges Aufgabe, sondern unser langfristig gemeinsam verantworteter Weg eines konziliaren Prozesses. Wir reden von einer „Reise“.
3. Die Sozialen Grundsätze müssen im Glauben begründen und global sein, prägnant und relevant formuliert.
4. Wir sind uns bewusst über die vielen und verschiedenen Sichtweisen und Interessen in Kirchen und Konferenzen, und wollen diesen verschiedenen Sichtweisen die verbindende Rolle der bestehenden Sozialen Grundsätze nicht opfern. Der Prozess bei den Sozialen Grundsätzen soll die gemeinsamen Werte und den Ruf zum Dienst in unserer weltweiten Kirche reflektieren.“

Während der Konsultation wurde das Sozialwort des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich vorgestellt. Die Entstehung dieses Textes und seine öffentliche Wirksamkeit ist mit grossem Interesse aufgenommen worden. Es bestand Übereinstimmung darüber, dass die Ergebnisse dieser Konsultation und weiterer Konsultationen mit dem Weltrat Methodistischer Kirchen und ökumenischen Körperschaften wie dem Weltkirchenrat, der Konferenz Europäischer Kirchen und der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa geteilt werden sollen. Jede Kirche ist darauf angewiesen, geschwisterliche Rückmeldungen zu bekommen, damit das Gespräch über Grundfragen des Glaubens und Lebens nicht im eigenen konfessionellen Kreis bleibt.


Quelle: Helmut Nausner / Bischof Heinrich Bolleter / EMKNI

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