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EMKNI - 17.03.2006   Zurück zur Übersicht

Makedonien: Superintendent Wilhelm Nausner feiert heute seinen 75. Geburtstag

Heute feiert Wilhelm Nausner, Superintendent der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) in Makedonien, seinen 75. Geburtstag. Mit persönlichen Worten gratuliert Christina Cekov, verantwortlich für die Frauenarbeit und Literatur der EMK in Makedonien, aus Strumica:

„Was »Papa Ratzinger« für die Katholiken, das und noch mehr ist »èièko Nausner« (Onkel Nausner) für die Methodisten in Makedonien. Wenn es eine Steigerung von »Papa« gibt, dann ist das das makedonische Wort für Onkel »èièko« – zumindest in Verbindung mit Willy Nausner!

Eigentlich müsste die Anrede ja heissen: »gospodin« Nausner, Herr Nausner. Aber wer drückt sich in Makedonien schon so gewählt aus! Nur der Erzbischof lässt sich so nennen und das sogar »gospodin gospodin«, ein doppelter Herr sozusagen. Aber das zeugt nicht unbedingt von grosser Nähe zu seinen »Schafen«.

Oder etwa gar: »der Herr Superintendent Nausner«. Das mag in Österreich vielleicht zum guten Ton gehören, aber in Makedonien ginge das auf gar keinen Fall. Es würde grösste Missbilligung beinhalten. Nein, nein. Die Makedonier wissen instinktiv, dass dies nicht die richtige Anrede sein kann für ihren Superintendenten.

Da gäbe es dann noch den naheliegenden »brat«, den Bruder. Aber dies ist gewiss auch nicht die richtige Ausdrucksweise, wenn es um Wilhelm Nausner, Makedonien, geht. Wenn nämlich von Brüdern die Rede ist, dann verheisst das besonders in Makedonien (Gott sei es geklagt!) gar nichts Gutes!

Und Gutes tun, das ist sein Hauptanliegen, das er nicht nur predigt, sonder vor allem tut. Unzähligen Menschen (nicht nur) in Makedonien hat er zusammen mit seiner Frau Helene Gutes erwiesen, durch unermüdlichen Einsatz Kinder gerettet, die unheilbar krank waren, Menschen mit lebenserhaltenden Medikamenten versorgt, Heimen in schweren Zeiten mit Hilfslieferungen das Überleben gesichert. Das Sozialzentrum in Strumica sowie unzählige Kapellen und Kirchen müssten eigentlich seinen Namen tragen. Es ist nicht möglich, alles aufzuzählen, was er in seinem Leben bisher für Makedonien und die Evangelisch-methodistische Kirche getan hat (und dies seit 1963, als er anlässlich des verheerenden Erdbebens von Skopje eine grosse Hilfsaktion in die Wege leitete). Das wäre auch gar nicht in seinem Sinne — er, der seine Orden und Auszeichnungen, die er von Präsidenten und Erzbischöfen erhalten hat, lange Zeit in einer Schublade aufbewahrte. Ich denke, gleich mehrere Bischöfe waren und sind froh, dass sie durch ihn Makedonien von ihrer Dringlichkeitsliste streichen konnten und noch immer können.

Er war dabei, als Kriege und Unruhen in unmittelbarer Nachbarschaft ausbrachen, und er war dabei, als Makedonien selbst in den Krieg hineingezogen wurde. Er war dabei, als Makedonien unabhängig wurde. Und als Makedoniens methodistischer Präsident ums Leben kam und niemand wusste wie es weitergehen sollte, kam er trotzdem oder gerade deshalb.
Er ist den Makedoniern im besten Sinne des Wortes ein Makedonier geworden. Wir teilen alles mit ihm: unsere Probleme, Sorgen, unseren Frust, aber auch Freuden, Erdnüsse, Ajvar und Wein!

In unserem ruhmreichen Spital in Strumica, das Hanni Handschin einmal treffend mit dem Spital in Kabongo gleichsetzte, liess er sich nach einem Sturz gleich zu Beginn eines Makedonienaufenthaltes, bei dem er sich neben Wunden im Gesicht auch einen gebrochenen Finger zuzog, ohne mit der Wimper zu zucken behandeln, obwohl ihm der Gips falsch angepasst wurde und er sicher ziemliche Schmerzen hatte.

Nach schweren Operationen reiste er so bald wie möglich wieder nach Makedonien, obwohl dort — um es diplomatisch auszudrücken — Arzt oder Krankenhausbesuch der Gesundheit und dem Leben nicht unbedingt zuträglich sind und deshalb tunlichst vermieden werden sollten.

Er kommt nach Makedonien, ob es schneit oder hagelt, bei 40 Grad plus oder 20 Grad minus.

Klar ist, dass »èièko Nausner« und Makedonien ganz einfach zusammengehören. Er ist Teil der Familie. Er versteht die makedonische Seele, und er mag die Menschen, auch wenn sie es ihm manchmal nicht leicht machen, vor allem die ganz Frommen — die, die den lieben Gott automatisch auf ihrer Seite zu haben meinen und genau wissen, wo die Grenzen von Gottes Gnade sind.

Für »èièko Nausner« gibt es keine ausweglose Situation. Immer bewahrt er Ruhe, strahlt Gelassenheit und optimistische Freude aus. Ein echter Mensch eben mit makedonischer Seele — und ein grosses Vorbild.

Wir nehmen seinen 75. Geburtstag zum Anlass, unserem »èièko Nausner« einmal danke zu sagen für alles, was er für uns ist und tut. Deshalb machen wir auch eine Ausnahme und gratulieren ihm ganz herzlich zu seinem Geburtstag. Geburtstage feiern erwachsene Makedonier nämlich nicht. Wozu auch. Hauptsache, wir sind gesund und leben. Und genau dies ist auch unser Wunsch für »èièko Nausner«:

Da bide zdrav i ziv (Er möge gesund sein und leben!)“


Quelle: Christina Cekov / EMKNI

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