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EMKNI - 10.05.2006   Zurück zur Übersicht

Ungarn: Tagung der Jährlichen Konferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK)

Vom 18. bis 22. April 2006 tagte die Jährliche Konferenz in Ungarn unter dem Motto «Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir.» (Johannes 10, 27). Konferenzort war das Gymnasium und Jesuitenkollegium in der Industriestadt Miskolc, wo sich die Konferenz sehr wohl fühlte.

Wer folgt wem?
Im Bericht des Superintendenten wurde darauf aufmerksam gemacht, dass die Kirche oft plant und dann Gott um seinen Segen für die Pläne bittet. Der gute Hirte in Johannes 10 folgt aber nicht den Schafen, wohin sie wollen, sondern die Schafe folgen dem Hirten, der sie führt.

Nach der politischen Wende dachte man in der Kirche, dass sich die wirtschaftlichen Verhältnisse schnell verbessern würden. Darum hatte man auch neue Stellen geschaffen, zum Beispiel in der Zentralverwaltung. Dies führte zu einer gut strukturierten und gut funktionierenden Verwaltung; aber die Knappheit der finanziellen Mittel lässt erneut die Diskussion über die Mitarbeit von Freiwilligen aufkommen. Mit diesem Umdenken ist auch eine Neuorientierung der Pastoren notwendig. Sie müssen lernen, die Aufgaben an freiwillige Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu delegieren.

Welches sind die fröhlichsten Gemeinden?
Der Superintendent sagte, dass die Roma-Gemeinden jene seien, welche am meisten Freude ausstrahlen. Das konnte die Jährliche Konferenz am Donnerstagabend erleben. Die Roma-Gemeinde vom Miskolcer Bezirk ermunterte die Konferenz mit Liedern und Zeugnissen. Letztere gaben Einblick in schwere Schicksale und grosse Armut. Sie bezeugten aber auch die Kraft und die Freude, welche aus dem Glauben kommt.

Welche Menschen spricht die Kirche an?
Ganz klar werden die Familien als Zielpublikum der Gemeindearbeit gesehen. Im Sommer 2006 findet das zehnte Familiencamp in Tiszaliget statt. Das klassische Familienmodell ist auch in Ungarn am verschwinden. Ein-Eltern-Familien stehen unter einem grossen psychischen wie finanziellen Druck und brauchen die Begleitung durch die Gemeinde. Aber auch die Alleinstehenden sollen durch die Gemeinde angesprochen werden. Dazu braucht es neben dem Gottesdienstprogramm auch Zeichen der Freundschaft und Orte, wo Kontakte geknüpft werden können. In einem Bericht wurde geäussert: «Es wäre wichtig, dass jede Gemeinde ein Programm oder eine Aktivität auf sozialem Gebiet hat. Es geht um einen kleinen Dienst, wozu wir die Kraft haben.»

Wie finanziert die Kirche ihre Arbeit?
Im Finanzbericht war zu hören: «Mit unseren materiellen Ressourcen müssen wir immer sparsamer umgehen. Die Vorstellung, nach welcher die Gemeinden von aussen Unterstützung erhalten, zerbröckelt langsam. Die Gemeinden, ob stark oder schwach, müssen gemeinsam die Kosten der gesamten Kirche tragen lernen»

In Miskolc selber ist die Gemeinde in einer sehr prekären Lage. Die Vermischung von Wohnverhältnissen und Gemeindebetrieb unter dem Dach eines Einfamilienhauses sind unzumutbar geworden. Es besteht darum ein Projekt für ein neues Gemeindezentrum. Das Grundstück ist gekauft, die Pläne liegen vor, aber die Finanzen fehlen. Damit die Gemeinde nachher die laufenden Betriebskosten tragen kann, dürfen keine Hypotheken für den Bau beansprucht werden. Ein Zinsendienst mit Amortisation liegt einfach nicht drin.

Gab es auch Grund zum Feiern?
Superintendent Istvan Csernak wurde wiedergewählt. Er berichtete, dass die ökumenischen Kontakte offen und konkret sind. Im Herbst 2006 findet in Budapest die Tagung der GEKE (Leuenberger Kirchengemeinschaft) statt. Für die Vorbereitung engagieren sich die Evangelischen Kirchen einmütig und mit grossem Eifer. Die Ausbildung der Pastoren und Pastorinnen geschieht in Budapest gemeinsam mit der Theologischen Fakultät der Lutherischen Kirche. Innerhalb des offiziellen Lehrplanes unterrichtet die EMK Geschichte des Methodismus und Methodistische Theologie.

Am Freitagabend wurde in einem festlichen Gottesdienst mit 3 Pastoren das 25-jährige Jubiläum ihrer Ordination zum Ältesten gefeiert. Bischof Heinrich Bolleter wurde nach 17 Jahren Dienst von der Konferenz verabschiedet und der Nachfolger Dr. Patrick Streiff als neuer aktiver Bischof willkommen geheissen. «Bischof Bolleter war uns eine grosse Hilfe bei der Gestaltung der neuen Situation der Kirche nach dem Systemwechsel. Wir sind ihm für seine Empathie gegenüber der ungarischen Seele sehr dankbar.»

Am Samstag, anlässlich eines Empfangs in Budapest zusammen mit dem Staatssekretär und den Kirchenleitungen der Schwesterkirchen, wurde die Amtsübergabe der Bischöfe öffentlich gemacht. Es ist wichtig, dass die Verantwortungsträger in Kirche und Staat sich auch von Angesicht zu Angesicht kennen.


Quelle: Heinrich Bolleter, Bischof i.R.

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