Alte Version dieser Seite EMKNI en français
-
EMKNI - 06.11.2006   Zurück zur Übersicht

Deutschland: Arbeitstagung zum Verhältnis von Freikirchen zur Römisch-katholischen Kirche

Mauritiushof der Abtei Niederaltaich, DeutschlandDer Verein für Freikirchenforschung in Deutschland hält zwei Mal im Jahr eine Arbeitstagung zu verschiedenen Themen ab. Im Oktober 2006 fand eine Tagung in der Benediktinerabtei Niederaltaich statt. Thema war: Beziehung der Freikirchen zur römisch-katholischen Kirche.

Die verschiedenen aktuellen Berichte brachten für die meisten Teilnehmer der Studientagung neue und überraschende Informationen.

Der mennonitisch-römisch-katholische Dialog, der zwischen 1998 und 2003 stattfand, war die erste offizielle Begegnung beider Kirchen seit der Reformation. Es wurde festgestellt, dass es keine gemeinsame Sprache gibt; auch wo man gleiche Begriffe verwendet, bedeuten sie sehr Verschiedenes in den beiden kirchlichen Traditionen. Was man gemeinsam hat, das wurde dankbar festgehalten, ist die Heilige Schrift und 1500 Jahre gemeinsame Geschichte. Schwerpunkt des Abschlussdokuments war die gemeinsame Arbeit für den Frieden in der Welt. Der Titel des Abschlussdokumentes lautet "Gemeinsam berufen, Friedensstifter zu sein – Gemeinsam berufen, Frieden zu stiften". Gemeinsam wurde auch festgehalten, dass die Einheit der Kirchen ein hoher Wert ist. Ob es eine Fortsetzung des Dialogs gibt, wurde offen gelassen.

Der Weltbund Baptistischer Kirchen, der seit 1905 besteht, hat mit der Römisch-katholischen Kirche in den Jahren 1984 bis 1988 einen Dialog geführt. Es ist nicht gelungen, sich auf eine gemeinsame Sprachregelung zu einigen.

Dennoch kam es zu Übereinstimmung bei Themen wie Gottes rettende Offenbarung in Jesus Christus, Notwendigkeit persönlicher Bindung, Weiterführendes Wirken des Heiligen Geistes, Missionsbefehl als Gottes Handeln an der Menschheit.

Es wurde über Evangelisation und Evangelisierung gesprochen und über das Problem des Proselytismus.

Themen, die berührt wurden, aber eine genaueres gemeinsames Studium erfordern würden, waren Autorität, Heilige Schrift, Lehrentwicklung, Glaube-Taufe-christliches Zeugnis, Mariologie. Bis jetzt ist es bei der einen Dialogrunde geblieben.

Der methodistisch-römisch-katholische Dialog erstreckt sich über fast 40 Jahre. Er hat 1967 begonnen und hat 2006 seinen Abschlußbericht über die achte Dialogrunde bei der Vollversammlung des Weltrates Methodistischer Kirchen im Juli 2006 in Seoul vorgelegt. Haben sich die ersten drei Dialogrund mit verschiedenen praktischen und theologischen Fragen beschäftigt, so bearbeitet die Dialoggruppe seit 1986 ekklesiologische Themen. 1986 wurde auch ein gemeinsames Ziel formuliert, auf das in jeder weiteren Dialogrunde Bezug genommen wurde, nämlich "volle Gemeinschaft (communion)" zu suchen "in Glauben, Mission und sakramentalem Leben". In den Dialogrunden nach 1986 wurden folgende Themen bearbeitet: "Die apostolische Tradition" (1991), "Das Wort des Lebens. Eine Stellungnahme zu Offenbarung und Glauben" (1996), "Die Wahrheit in Liebe sagen. Lehrautorität bei Katholiken und Methodisten" (2001) und "Die Gnade Gottes, die euch in Christus gegeben ist. Weitere Überlegungen über die Kirche" (2006). Die Fortführung des Dialogs wurde beschlossen. In Seoul im Juli 2006 ist der Weltrat Methodistischer Kirchen außerdem offiziell der Erklärung über die Rechtfertigung, die 1999 von Lutheranern und Katholiken unterzeichnet worden ist, beigetreten. In einem feierlichen Akt wurde die zusätzliche methodistische Erklärung von führenden Vertretern der beiden Weltbünde und dem vatikanischen Rat für die Einheit der Christen unterzeichnet.

Die Siebenten-Tags-Adventisten stehen seit dem 2.Vatikanischen Konzil über Personen im Kontakt mit der römisch-katholischen Kirche. Es gibt inoffizielle Gespräche im Rahmen persönlicher Begegnung von 3-5 Personen. Offizielle Gespräche sind noch nicht begonnen worden. Kontaktgespräche hat es außerdem mit dem Weltkirchenrat (1965-1971) gegeben. Mit dem Lutherischen Weltbund (1994-1998), 1996 mit dem ökumenischen Patriarchat und dem Reformierten Weltbund.

Der Dialog zwischen Pfingstkirchen und der römisch-katholischen Kirche hat 1972 begonnen. Die fünfte Dialogrunde (1998 – 2006) ist 2006 zu Ende gegangen. Das Schlussdokument wird noch erwartet. Mit dem Thema "Taufe im Heiligen Geist" hat der Dialog begonnen und sie war auch das zentrale Thema der letzten Dialogrunde. Bei jeder Dialogrunde wird festgehalten, dass keine strukturell oder organische Einheit angestrebt wird, wohl aber das Bemühen da ist, zu einem tieferen gegenseitigen Verständnis zu kommen. Die Taufe durch den Heiligen Geist ist im römisch-katholischen Raum möglich, kann aber von der römisch-katholischen Kirche nicht als normativ für das Christsein angenommen werden. Beide Kirchen erleben sich als große Herausforderung füreinander.

Den Abschluss der interessanten Tagung bildete ein Referat des römisch-katholischen Professors Dr. Hans-Jörg Urban aus Paderborn, bekannt als Mitherausgeber der umfangreichen Sammlung von Dialogtexten der Kirchen mit dem Titel "Dokumente wachsender Übereinstimmung". Er wies darauf hin, dass das 2. Vatikanische Konzil eine grundlegende Änderung brachte. Vor dem Konzil wurden Freikirchen als Sekten gesehen und als ein rein protestantisches Problem. Danach wurde die eigene Bedeutung der Freikirchen und ihr ekklesiologisches Gewicht gesehen und anerkannt. Das spiegeln auch die vielen eingegangenen Dialoge, die nach dem 2. Vatikanischen Konzil aufgenommen wurden.
Wie sieht sich die römisch-katholische Kirche heute in ihrer Beziehung zu anderen Kirchen? Das Modell der "konzentrischen Kreise", das unterschiedliche Nähe und Distanz betont, hat sich nicht durchgesetzt. Auch das Modell der "Fülle" hat sich nicht bewährt. Papst Johannes Paul II. hat in seiner Enzyklika Ut Unum Sint eine andere Sprache verwendet und von einem Prozess gesprochen und einem gegenseitigen Geben und Nehmen. Das eröffnet neue Möglichkeiten. Urban unterstrich, dass die Dialoge der Kirchen nur zum Teil über den Intellekt laufen; Begegnung und gemeinsame Erfahrung sind genauso wichtig und das Maß an Vertrauen, das entsteht. Die Arbeit an der Bibel bleibt eine gemeinsame Aufgabe, die Zukunft hat.


Quelle: Pastor Prof. Helmut Nausner, Wien

-----------
Veröffentlichung nur mit Quellenangabe "EMK News" gestattet!
Bitte senden Sie Ihre Bemerkung an die folgende Mailadresse:
"emknews-redaktion at umc-europe punkt org"