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EMKNI - 06.10.2006   Zurück zur Übersicht

Europa/Ungarn: „Gemeinschaft gestalten – Evangelisches Profil in Europa“

Das Logo der GEKEso lautete das Thema der 6. Vollversammlung der „Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa – Leuenberger Kirchengemeinschaft“ (GEKE), die vom 12. bis 18. September 2006 in Budapest stattfand. Tagungsort war die Károli Gáspár Reformierte Universität (Ráday-Kolleg). In die ungarische Hauptstadt hatten die reformierte, die lutherische und die methodistische Kirche in Ungarn eingeladen. Mehr als 200 Delegierte und Gäste folgten der Einladung. Im Jubiläumsjahr der Revolution von 1956 in Ungarn eröffnete der Staatspräsident Ungarns a.D. Prof. Dr. Ference Mádl die Vollversammlung mit einem Vortrag über das Zusammenwachsen der Völker und Nationen Europas aus ungarischer Sicht. Mit einem Gang durch die Geschichte Europas, und v.a. Ungarns, hob er die Rolle und Bedeutung des Christentums und des Protestantismus hervor. Ausdruck der guten Beziehungen zwischen dem ungarischen Staat und den Kirchen war auch der Empfang im Ungarischen Parlament durch die Parlamentspräsidentin Dr. Katalin Szili.

Dass die GEKE wesentlich eine gottesdienstliche Gemeinschaft ist, wie immer wieder ausgesprochen wurde, kam in den verschiedenen Gottesdiensten und Andachten und in den Gemeindebesuchen am Sonntag zum Ausdruck. Der Eröffnungsgottesdienst mit gemeinsamer Abendmahlsfeier und einer Predigt des reformierten Bischofs fand in der Lutherischen Hauptkirche statt. Umgekehrt predigte im Schlussgottesdienst – mit der Einführung des neuen Rates und des neuen Generalsekretärs – in der Reformierten Kirche am Calvinplatz der leitende Bischof der lutherischen Kirche in Ungarn. Der Vertiefung der gottesdienstlichen Gemeinschaft diente auch die Einführung eines neuen mehrsprachigen Gesangbuches „Colours of Grace“, das auf der Vollversammlung den Delegierten vorgestellt wurde und ab Ende November im Handel erhältlich sein wird.

Zur GEKE gehören zurzeit 105 Kirchen, die meisten sind lutherisch oder reformiert oder uniert. Es gehören aber auch die vorreformatorischen Kirchen der Waldenser und der Böhmischen Brüder dazu. 1997 traten die methodistischen Kirchen in Europa mit einer gemeinsamen Erklärung der Kirchengemeinschaft bei. Zuletzt schlossen sich die Evangelische Kirche im Fürstentum Liechtenstein und die Reformierte Kirche in Transkarpatien (Ukraine) an. Im Gründungsdokument, der „Leuenberger Konkordie“, erklären die unterzeichnenden Kirchen auf Grund der Übereinstimmung im Verständnis des Evangeliums und der Sakramente (Taufe und Abendmahl) Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft, was auch die gegenseitige Anerkennung der Ämter einschliesst, und verpflichten sich zu gemeinsamem Zeugnis und Dienst sowie zur theologischen Weiterarbeit.

Von methodistischer Seite nahmen an der Vollversammlung teil: Bischöfin Rosmarie Wenner und Dr. Manfred Marquardt aus der Zentralkonferenz Deutschland, Sup. Istvan Csernak und Sup. Lothar Pöll aus der Zentralkonferenz in Mittel- und Südeuropa, Colin Ride, Keith Jenkins und Revd. Canon Harvey Richardson von der britischen Methodistenkirche. Frau Pfarrerin Andrea Brunner-Wyss aus der Schweiz, die auch zur EMK gehört, nahm über den Schweizerischen Evangelisch Kirchenbund an der Vollversammlung teil. Lothar Pöll wurde in den Exekutivausschuss gewählt, der jetzt „Rat“ heisst, und Harvey Richardson, der bisherige Vertreter im Exekutivausschuss, wurde als Stellvertreter gewählt. Der neue Präsident des Rates der GEKE ist Pfr. Thomas Wipf, Präsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes.

Die Vollversammlung nahm die in den letzten Jahren ausgearbeitete Projektstudie „Evangelisch evangelisieren“ mit Dank und Zustimmung entgegen und empfiehlt den Mitgliedskirchen diesen Text zu rezipieren und das eigene evangelisierende Handeln zu stärken und weiter zu entwickeln. Die meisten Texte können über die Internetseiten der GEKE www.leuenberg.net herunter geladen werden.

Die zweite Projektstudie „Gestalt und Gestaltung protestantischer Kirchen in einem sich verändernden Europa“ wurde ausgewertet und auch mit Dank angenommen. Dieser Text hatte in den Mitgliedskirchen vielfältige Stellungnahmen und Reaktionen ausgelöst. Aus dieser Projektstudie folgen konkrete Schritte zur Vertiefung und Weiterentwicklung der GEKE.

Die in der GEKE verwirklichte Kirchengemeinschaft ist im Kern eine gottesdienstliche Gemeinschaft, die eine grössere Verbindlichkeit nach innen und eine grössere Handlungsfähigkeit nach aussen braucht. Nur wenn die evangelischen Kirchen gemeinsam auftreten und in wichtigen Fragen mit einer Stimme sprechen, haben sie eine grössere Chance in der europäischen Öffentlichkeit gehört zu werden. Erstmals seit der Gründung im Jahr 1973 hat sich die GEKE ein Statut gegeben, das den bisherigen Stand der Kirchengemeinschaft in Worte fasst und bisheriges Gewohnheitsrecht „ver-schriftlicht“. Der neue Rat, der aus 13 Personen besteht, wurde beauftragt, dieses Statut bis zur nächsten Vollversammlung weiter zu entwickeln. Ohne auf bisherige Grundsätze – die strukturelle und rechtliche Gestalt der GEKE um der Flexibilität willen bescheiden zu halten und die Kompetenzen der Mitgliedskirchen nicht zu beschneiden – zu verzichten, soll die GEKE institutionell gestärkt werden.

Neue Lehrgespräche wurden zu den folgenden Themen beschlossen: „Amt, Ordination und Episkopé (im Sinne von Aufsicht, Bischofsamt) nach evangelischem Verständnis“, „Schrift – Bekenntnis – Kirche“ und „Die evangelischen Kirchen vor neuen Herausforderungen sozialer Gerechtigkeit“.

Daneben arbeitet die GEKE an verschiedenen Projekten und in Regionalgruppen mit ganz unterschiedlichen Schwerpunkten. Ein Dialog mit der Europäischen Baptistischen Förderation konnte mit einem positiven Ergebnis abgeschlossen werden und die Kirchen wurden ermutigt, diesen Dialog auf lokaler und Landesebene fortzusetzen und eine engere Kooperation zu suchen. Offizielle Dialoge mit den Anglikanern und den Orthodoxen Kirchen werden fortgesetzt, ein Dialog mit der Römisch-katholischen Kirche wird gesucht. Bisher wird das meiner Meinung nach sehr erfolgreiche Ökumenemodell der Leuenberger Kirchengemeinschaft von römisch-katholischer Seite abgelehnt. Beschlossen wurde auch, dass das Sekretariat der GEKE von Berlin nach Wien verlegt wird und ab 1. Januar 2007 seinen Sitz im Evangelischen Kirchenamt A.B. hat. Als neuer Generalsekretär wurde der Wiener Oberkirchenrat Prof. Dr. Michael Bünker gewählt.


Quelle: Lothar Pöll, Wien

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