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EMKNI - 26.09.2006   Zurück zur Übersicht

Ungarn/Deutschland: Die Bischöfin der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland, Rosemarie Wenner (Frankfurt am Main), im Porträt

Rosemarie Wenner, erste Frau ausserhalb der USA im Bischofsamt der EMK"Methodisten sind Brückenbauer zwischen unterschiedlichen Kirchenformen und Frömmigkeitsstilen". Rosemarie Wenner braucht nicht lange zu überlegen, wenn sie gefragt wird, was ihre Kirche kennzeichnet, die im 18. Jahrhundert als Erweckungsbewegung unter Anglikanern entstand: "Wir stehen zwischen Frei- und Volkskirchen, zwischen Evangelikalen und Hochkirchlern. Und wir verbinden persönliche Frömmigkeit mit sozialer Verantwortung." Die Frage muss sich die 51-Jährige allerdings nur in Europa stellen lassen. Denn dort sind die Methodisten mit 600.000 Mitgliedern eine evangelische Minderheitskirche. Der Weltrat methodistischer Kirchen ist eine der größten evangelischen Konfessionsfamilien. Mit siebzig Millionen Mitgliedern liegt er zwischen dem Reformierten (75 Millionen) und dem Lutherischen Weltbund (66 Millionen). In Deutschland ist die Evangelisch-methodistische Kirche nach den Baptisten mit 50.000 Mitgliedern die zweitgrößte der drei klassischen Freikirchen. Als einzige steht sie jedoch in Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft mit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Und seit April 2005 ist Rosemarie Wenner methodistische Bischöfin – die erste außerhalb der USA.

Natürlich wird sie auch nach dem prominentesten Mitglied ihrer Kirche gefragt: US-Präsident George W. Bush. "Wir sehen seine Politik sehr gemischt", antwortet sie. "Unsere Kirche lebt in ständiger Auseinandersetzung mit seinen Entscheidungen, auch wenn wir seine persönliche Frömmigkeit respektieren". Der Bischofsrat der Kirche hat früh seine Bedenken gegen die religiös aufgeladene Sprache des Präsidenten und seine allzu schnelle Bereitschaft zur militärischen Gewalt beim Kampf gegen den Terrorismus bekundet. Mit der Folge, dass Bush Gespräche darüber ablehnte. Jetzt erst, nachdem bekannt ist, dass die Motive für den Irakkrieg sämtlich nicht stichhaltig waren, will er sich mit den Bischöfen treffen. "Natürlich wurde auch gefordert, Bush unter Kirchenzucht zu stellen", erzählt sie. Zu den Grundlagenpapieren ihrer Kirche gehören soziale Grundsätze, und dort verpflichten sich Methodisten zur Suche nach Frieden. "Aber wir waren vorsichtig, ihm vorsätzliche Verstöße gegen unsere Überzeugungen zu unterstellen; auch hätte es jede Kommunikation blockiert." Sie ist gut im Bild, weil die United Methodist Church, zu der auch die deutschen Methodisten gehören, eine evangelische Weltkirche ist. Die Mehrheit, 8,6 Millionen ihrer elf Millionen Mitglieder, lebt aber in den USA. Die Liste bekannter Methodisten ist länger, doch das weiß kaum jemand. Der frühere südafrikanische Präsident Nelson Mandela gehört dazu, ebenso zwei frühere Generalsekretäre des Ökumenischen Rates der Kirchen, Philip Potter und Emilio Castro.

Geboren wurde Rosemarie Wenner 1955 im badischen Eppingen. Sie wuchs in einer methodistischen Familie auf. Nach ihrer Ordination war sie Pastorin in Hockenheim, Dreieich und Darmstadt und Superintendentin in Frankfurt am Main. Im Februar 2005 wählte die einer Synode ähnliche deutsche Zentralkonferenz ihrer Kirche sie zur Nachfolgerin von Bischof Walter Klaiber. Sie selbst schätzt die ökumenische Arbeit, die den Methodisten sozusagen theologisch im Blut liegt. Denn sie sind, wie nur wenige evangelische Kirchen, nicht aus der Auseinandersetzung mit einer anderen Tradition hervorgegangen, sondern einfach aus der Tatsache, dass es in den USA keine anglikanische Kirche gab und sie daher selbst eine Kirchenorganisation aufbauen mussten. Zwar hatten ihre Gründer unter dem Spott ihrer kirchlichen Umgebung zu leiden. "Methodisten" – das war ursprünglich ein Schimpfname für die Bewegung um den anglikanischen Geistlichen John Wesley, der in der Auseinandersetzung mit Luthers Auslegung des Römerbriefs zum tiefen Glauben fand und ebenso systematisch wie praktisch um die "Heiligung" des ganzen Lebens besorgt war. Das hat aber seine ökumenische Gesinnung nur bekräftigt. Es war deshalb folgerichtig, dass sich die Methodisten etwa in Italien mit den Waldensern vereinigt haben und in Australien den Anglikanern eine Vereinigung anboten. Weitere Zusammenschlüsse stehen derzeit nicht an, erzählt Rosemarie Wenner, "Aber wir sind überzeugt, dass wir Kirchen theologische Gemeinsamkeiten ausloten und wo immer möglich auch gemeinsam tätig werden sollten, um das Evangelium weiterzugeben". Dass Christen in die Gesellschaft hineinwirken, ist für sie selbstverständlich; "es gehört zu unserer theologischen Arbeit". Deshalb auch schätzt sie die Mitarbeit in der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) – Leuenberger Kirchengemeinschaft, zu der die Methodisten seit sieben Jahren gehören. Sie freut sich, dass die GEKE auch die Evangelisation ausdrücklich auf die Tagesordnung genommen hat, die den Methodisten seit den ersten Anfängen wichtig ist. In ihrer Kirche hat sie sich auch für die 2001 in Straßburg verabschiedete Charta Oecumenica stark gemacht. Darin verpflichten sich die beteiligten Kirchen zu wachsenden Schritten zur Gemeinsamkeit. Und im Sommer unterzeichnete ihre Kirche im südkoreanischen Seoul die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre, die 1999 zwischen dem Vatikan und dem Lutherischen Weltbund vereinbart worden war.

Vom methodistischen Gründervater John Wesley sind viele eingängige Sätze bekannt, wie Christen leben und sich verhalten sollten. "Alle im Dienst und immer im Dienst" lautet einer davon. Dazu muss sich Rosemarie Wenner erklären: "Dass ein Christ immer im Dienst ist, teile ich. Aber das bedeutet nicht Aktionismus. Wir müssen auch Zeit haben, nichts zu tun oder von uns zu geben und uns spirituell beschenken zu lassen."


Quelle: GEKE

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