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EMKNI - 10.04.2007   Zurück zur Übersicht

Europa: Üllas Tankler – Im Einsatz für eine Minderheitenkirche

Üllas Tankler, Exekutivsekretär des GBGM[Credits] Die Zeitschrift "En route" der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) in Frankreich konnte kürzlich ein Gespräch mit Üllas Tankler, Exekutivsekretär des General Board of Global Ministries (GBGM) führen. Üllas Tankler ist Pastor aus Pärnu, Estland. Mehr über Üllas Tankler in englischer Sprache unter:
http://gbgm-umc.org/global_news/pr.cfm?articleid=3069&CFID=12205525&CFTOKEN=82977813.

En route (ER): Üllas Tankler, wie geschieht die Begleitung einer Minderheitskirche?

Üllas Tankler UT: Ich sehe es als meine Aufgabe, den Kirchen in Europe zu dienen und sie zu unterstützen, soweit ich es kann. Es ist eine Tatsache, dass unsere methodistische Kirche meist eine Minorität in Europa ist. Manchmal ist sie es in einem lutheranischen Umfeld (Estland, Lettland, Norwegen, Schweden), an anderen Orten unter Katholiken (Litauen, Portugal, Italien) oder unter Orthodoxen (Russland, Bulgarien, Serbien, Makedonien). Und dann gibt es Orte, wo die methodistische Kirche als Minorität in einem islamischen Staat lebt, wie z.B. in Algerien. An diesen Orten ist es das Wichtigste, den Ortskirchen zu zeigen, dass wir sie in dieser Minderheitensituation verstehen und es andere Brüder und Schwestern gibt, die ebenfalls in der Diaspora leben. Ermunterung ist das Erste. Wir können ihre Situation nicht verändern, aber wir können ihnen sagen, dass wir mit ihnen sind. Es ist ja auch in Ordnung, eine kleine Kirche zu sein. Man muss nicht Minderwertigkeitsgefühle haben. Es gehört zu unserem Verständnis von Kirche, dass es nicht um Grösse geht. Es geht um das Zeugnis für Christus.

ER: Eine andere Frage ist die Ausbildung der Laien und der Pfarrern in diesen Ländern. Welche Lösungen können Sie uns nennen?

UT: An verschiedenen Orten haben wir eigene theologische Ausbildungsmöglichkeiten. Da sind Theologische Seminare zu nennen in Reutlingen (Deutschland), Moskau (Russland), Tallinn (Estland). Weiter gibt es französischsprachige Studien in der Schweiz. Aber an vielen Orten fehlen solche Möglichkeiten und so sind wir auf "neuen Wege" angewiesen: Es gibt ein Studienprogramm in Graz-Waiern in Österreich, wo viele Pastoren aus den Balkanländern ihre Ausbildung bekommen. Ich habe diese Pastoren getroffen und ihren Dienst gesehen. Ihre Ausbildung ist sehr wichtig, sehr hilfreich und sehr gut. Eine weitere Möglichkeit ist es, Pastoren und Laienmitarbeitende finanziell zu unterstützen, damit sie dort studieren können, wo es ihnen möglich ist. Für viele in Russland ist das Seminar in Moskau der richtige Ausbildungsplatz, aber es gibt für einige auch gute Gründe, in Estland zu studieren. In Estland gibt es Studenten aus Lettland und Litauen. Damit sie dort studieren können, müssen wir für sie Stipendien finden.

Weiter führe ich Weiterbildungen durch für Kirchenleitende. Für die russischen Pastoren geschah das in Moskau. Für alle Pastoren aus dem eurasischen Raum werde ich eine solche Weiterbildung in Katharinenburg durchführen und ein weiteres solches Seminar später in Litauen.

Das ist aber noch nicht genug und wir müssen weitere neue Wege finden. Unter der Leitung unseres Bischofs Patrick Streiff entsteht die Möglichkeit eines Studiums via Internet. (Siehe dazu die EMKNI-Meldung vom 3. April 2007 - http://emknews.umc-europe.org/2007/april/03-01.php) Der Hauptgedanke ist, dass vor Ort die Studierenden ihre Basis-Theologieausbildung in einer Ausbildungsstätte einer anderen Kirche bekommen, und ergänzend via Internet methodistische Kirchengeschichte und Theologie studieren können.

ER: In vielen Ländern ist die Armut weit verbreitet; Wie können die dortigen Gemeinden die Gehälter der Pastoren bezahlen?

UT: In vielen osteuropäischen Ländern ist die finanzielle Situation sehr hart. In der aktuellen Umbruchsituation ehemals kommunistischer Ländern zu Mitgliedsstaaten der Europäischen Union reicht das Einkommen der Kirchen bei weitem nicht. Diese Länder sind angewiesen auf die Hilfe vom Ausland. Vom General Board of Global Ministries (GBGM) unterstützen wir diese Kirchen auf verschiedene Weise. Aber der beste Weg ist eine Partnerschaft von wohlhabenden mit finanziell ärmeren Kirchgemeinden. Diese Netzwerkarbeit kommt der ganzen Kirche zur Gut. Wir helfen Gemeinden in Mazedonien, Serbien, der Tschechischen Republik und Litauen dabei, eine Partnergemeinde aus den USA zu finden, welche die Gemeinde in Europa finanziell unterstützt. Ein Teil dieser Unterstützung fliesst direkt in die Gemeinden, so dass die persönlichen Kontakte im partnerschaftlichen Sinn gepflegt werden. Aber weil unsere Gemeinden nicht autonome Gemeinden sind, sondern Teil einer weltweiten Kirche, fliesst ein anderer Teil dieser Unterstützung über das Bischofsbüro in andere Gemeinden. So werden alle Pastoren in diesen Empfängerländern unterstützt durch die bestehenden Partnerschaften. Wir suchen weitere Partnerschaften und helfen dabei, dass die Kommunikation zwischen den Partnerkirchen funktioniert und hilfreich bleibt. Gemeinden, die eine solche Partnerschaft pflegen möchten, wenden sich am besten an die Bischofssekretariate.

ER: Unser Verbundsystem, die Connexio, gehört zum Wesen der Kirche Jesu Christi?

UT: Genau, Amen.

ER: Herzlichen Dank für dieses Interview.


Quelle: En route

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