Alte Version dieser Seite EMKNI en français
-
EMKNI - 17.08.2007   Zurück zur Übersicht

Schweiz: Ruth Wullschleger erhält Gemeinschaftsförderungspreis

Die Preisträgerin des Gemeinschaftsförderungspreises 2007: Ruth Wullschleger[Credits] Seit vier Jahren zeichnet die Gemeinde Vordemwald Einwohnerinnen und Einwohner welche sich für das Gemeinwohl der Gemeinde stark engagieren oder engagiert haben aus. Das Dorf mit rund 1700 Einwohnern ehrt damit die stillen Helfer, welche das Dorf erst richtig zum Leben erwecken. Damit soll auch ein Anstoss gegeben werden, sich am Dorfleben aktiv zu beteiligen.

Ruth Wullschleger, die sich in der Evangelisch-methodistische Kirche (EMK) Strengelbach engagiert, ist in ihrem ganzen Leben noch nie so überrascht worden wie am 1. August 2007, als sie am „Füür-Obe-Fäscht von Gemeinderat Herwig Steimen als neue Preisträgerin vorgestellt wurde. Sie ist es gewohnt, im Hintergrund zu wirken, die unerwartete Aufmerksamkeit macht sie fast verlegen. Dennoch: über die Auszeichnung freut sie sich sehr.

Ruth Wullschleger war nicht nur im lokalen Samariterverein tätig. Sie hat auch in viele Konfirmanden- und Behindertenlager als Köchin mitgeholfen. Jedes Jahr verschickt sie in der Adventzeit über 200 Kartengrüsse. Jede Karte gestaltet sie individuell. Ihre ermutigenden und besinnlichen Texte hängt sie regelmässig im Lift des Altersheims auf. Alle ihre Texte sind von Hand geschrieben. Sie hat ein offenes Haus für alleinstehende Menschen. Es kann auch einmal vorkommen, dass sie einfach ein Plakat am Strassenrand aufhängt und zum Gratiskaffee in ihre Stube einlädt. In der Heilpädagogischen Schule Zofingen arbeitete sie während vielen Jahren beim Mittagstisch mit. Ruth Wullschleger will damit niemandem etwas beweisen. Sie tut einfach, was notwendig ist. Und sie weiss: es kommt auch viel zurück.

Schon sind neue Ideen da, die Ruth Wullschleger aufnehmen möchte. In Vordemwald fehlt noch ein Treffen der einheimischen Bevölkerung mit den Neuzuzügern. Dem Adventfenster verlieh sie neue Impulse, in dem sie sich dem Trend zu immer aufwändiger gestalteten Treffen mutig widersetzte. Dafür bekam sie viel Lob, musste aber auch Kritik einstecken. Aber mit kritischen Rückmeldungen kann sie gut umgehen. Dafür setzt ihr manchmal zu, dass sie nie eine Ausbildung abschliessen konnte. Nach der Schule musste sie sofort in der Bäckerei der Eltern mitarbeiten. Sie brauchte lange Jahre, bis sie das wirklich überwunden hat. Heute kann sie gut damit leben, wenn in ihren Briefen manchmal noch ein Schreibfehler zu finden ist. „Ich bin halt so – und wer sich daran stört, ist selber schuld“, sagt die Preisträgerin.

Der Glaube an Jesus Christus bedeutet ihr viel. Gerne besucht sich darum auch die Gottesdienste in der Evangelisch-methodistische Kirche in Strengelbach. Hier kann sie auftanken. Sehr früh gründete Ruth Wullschleger eine Familie. Ihr und ihrem Mann wurden 3 Kinder geschenkt. In ihrer Familie wurde schon immer die Bibel gelesen. Diese gehörte in ihrem Haushalt einfach dazu und lag bei Esstisch bereit. Mit den Jahren trat sie dann etwas in den Hintergrund. Durch den Tod ihres Ehemannes 1992 erlebte sie dann, dass das Vertrauen zu Jesus Christus der einzige wirkliche Halt bietet. „Schade“, meint Ruth Wullschleger, „dass ich zuerst etwas so Schweres erfahren musste, ehe ich die Tiefe des Glaubens wieder entdecken durfte“.

Ob wohl der Gemeinschaftsförderungspreis in Vordemwald erst zum vierten Mal vergeben wurde, ist schon einmal ein Mitglieder der Evangelisch-methodistischen Kirche ausgezeichnet worden. 2005 wurde Lisbeth Bolliger aus Vordemwald mit dem Preis für ihr grosses Engagement im Dorf geehrt. Sie gehört zur Gemeinde der EMK in Rothrist.

Glaube muss nach Ansicht der EMK wieder zu den Menschen zurückführen. Diakonie und gelebte Nächstenliebe sind ein grundlegender Ausdruck des christlichen Glaubens. John Wesley, Mitbegründer de methodistischen Bewegung im 18. Jahrhundert, konnte sich Glaube ohne Diakonie gar nicht vorstellen. Zusammen mit den „Werke der Frömmigkeit“ wie Gebet, Abendmahl, Fasten oder Hören auf das Wort Gottes sah er in den „Werken der Barmherzigkeit“ ein grundlegendes Gnadenmittel, eine Quelle für die persönliche Erfahrung einer Gottesbeziehung.


Quelle: Stefan Moll, Zofinger Tagblatt

-----------
Bitte senden Sie Ihre Bemerkung an die folgende Mailadresse:
"emknews-redaktion at umc-europe punkt org"