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EMKNI - 29.01.2007   Zurück zur Übersicht

Schweiz: Public Eye Awards und Open Forum Davos – verschiedene Ansätze, ein Ziel

[Credits] Seit mehreren Jahren geschieht die Auseinandersetzung mit dem Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos auf verschiedenen Ebenen. Während die einen in Gegenveranstaltungen Ziele verwirklichen wollen, suchen die anderen das Gespräch mit den Wirtschaftführern am WEF. Das Ziel ist dasselbe; eine gerechtere und menschenwürdigere Wirtschaftswelt.

Die einen, das sind Pro Natura und die Erklärung von Bern, welche erneut die unverantwortlichsten Konzerne mit den Public Eye Awards gekührt haben. Gebrandmarkt mit dem Schmähpreis wurden der japanische Reifen-Multi Bridgestone und der Basler Pharmariese Novartis.

Nichtregierungsorganisationen (NGO) aus aller Welt haben über 40 in- und ausländische Konzerne für einen der drei "Public Eye Awards" nominiert.

Der "Public Eye Global Award" geht an Bridgestone Corp. Auf deren Gummiplantagen in Liberia (Westafrika) herrschen seit 80 Jahren Sklaverei ähnliche Zustände. Kinderarbeit und Öko-Desaster sind an der Tagesordnung.

Gewinner des "Public Eye Swiss Award" ist Novartis. Der Basler Pharmakonzern versucht derzeit mit Patentklagen, den Zugang zu bezahlbaren Generika in Indien und den Entwicklungsländern einzuschränken, heisst es in einer Pressemitteilung.

Die Erklärung von Bern und Pro Natura sind überzeugt, dass es direkten Druck braucht, um Konzerne zu respektvollem Umgang mit Mensch und Natur zu bewegen. Konkret fordern sie rechtlich verbindliche internationale Regeln zur Unternehmensverantwortung.

Den ersten "Public Eye Positive Award" für eine vorbildliche unternehmerische Initiative erhält Coop für seine mit dem Öko-Label "Naturaplan" lancierte Pionierleistung.

Fakten zu Bridgstone unter http://www.evb.ch/cm_data/Bridgestone_d.pdf
Fakten zu Novartis unter http://www.evb.ch/cm_data/Novartis_d.pdf
Fakten zu Coop unter http://www.evb.ch/cm_data/Coop_Factsheet_d.pdf


Bei den Veranstaltungen des Open Forum Davos 2007 war der Saal stets überfüllt. Die zahlreichen Teilnehmenden haben die Plattform des fünften Open Forum Davos mit seinen sieben Podiumsgesprächen genutzt, um engagiert mit den Entscheidungsträgern aus Wirtschaft, Politik, Kirche und Zivilgesellschaft zu disputieren. In den Debatten wurden Forderungen zu Themen wie Spitzenlöhne, Nachhaltigkeit und multikulturelle Gesellschaft laut und Lösungsvorschläge entwickelt.

Das Open Forum Davos hat erneut eine Plattform für eine öffentliche Diskussion zu Themen der globalisierten Gesellschaft geboten. Der Brückenschlag zwischen einer engagierten Zivilgesellschaft und den Entscheidungsträgerinnen und -trägern aus Wirtschaft, Politik und Kirche ist dem Schweizerischen Evangelische Kirchenbund (SEK) und dem World Economic Forum (WEF) damit zum fünften Mal gelungen. Die aktive Beteiligung der Teilnehmenden hat einmal mehr das große Bedürfnis nach kontroversem Dialog bewiesen. Schüler und Politikerinnen, Touristen und WEF-Teilnehmende, lokale Bevölkerung und Weitgereiste haben mit ihrer engagierten Beteiligung zum Ausdruck gebracht, dass sie die auf den Panels diskutierten Fragen betreffen.

Während der sieben Debatten wurden konkrete Lösungsvorschläge zu wesentlichen Herausforderungen der Gegenwart erörtert. So waren sich die Teilnehmenden des kontroversen Auftaktpanels zu Spitzenlöhnen darin einig, dass die Auszahlung von "«exorbitanten Abgangsentschädigungen" nicht vertretbar sei. Der SEK hatte im Vorfeld ein entsprechendes Impulspapier publiziert. Zum Thema Nachhaltigkeit wurde die Forderung nach einem "revolutionären Umdenken" in der Energienutzung laut. Schliesslich wurde im Panel zur multikulturellen Gesellschaft deutlich: Das Zusammenspiel von Politik, Religion und Ökonomie kann nur durch das ehrlich geführte Gespräch aller funktionieren. "Wir haben keinen Grund, die Begegnung zu fürchten", wie es die Schweizer Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey auf dem Podium klar formulierte. Dafür steht das Open Forum.

Um diese Bewegung zu bewahren, sehen die Organisatoren SEK und WEF vor, das Open Forum weiterzuführen. "Wenn wir nur mit denen sprechen, die ähnlich denken – im WEF und in der Öffentlichkeit – dann sehen wir uns eher bestätigt als dass wir herausgefordert werden. Bitte diskutieren Sie weiter." So der Präsident des Rates SEK Thomas Wipf zur Zukunft des Open Forum.


Quelle: RNA, SEK und WEF

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