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EMKNI - 11.07.2007   Zurück zur Übersicht

Österreich/Europa: Eine evangelische Antwort auf ein Dokument der vatikanischen Kongregation für die Glaubenslehre

GEKE-Präsident Pfarrer Thomas Wipf umrahmt von den Ko-Präsidenten Prof. Dr. Michael Beintker und Pfarrerin Dr. Stephanie Dietrich[Credits] «Mit Befremden, aber ohne Beunruhigung» nimmt die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) ein gestern durch die vatikanische Kongregation für die Glaubenslehre veröffentlichtes Dokument zur Kenntnis. Die durch Papst Benedikt XVI gutgeheissenen «Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche» stellen in fünf Abschnitten das Selbstverständnis der römisch-katholischen als einzig wahre Kirche dar und sprechen den Kirchen der Reformation ihr Kirchesein ab. Sowohl die Argumentation als auch die Kürze des Dokuments der Glaubenskongregation sorgten für Irritation.

«Ökumenisch so weitreichende Aussagen bedürfen einer stärkeren argumentativen Grundlage», betonte der GEKE-Präsident Thomas Wipf gestern. Dem Selbstverständnis der römisch-katholischen Kirche könne zudem vom evangelischen Verständnis her nicht zugestimmt werden. Die Reformation habe den Blick auf die ursprünglichen Kennzeichen der Kirche gelenkt. Diese seien die reine Predigt des Evangeliums und die rechte Verwaltung der Sakramente. Wipf: «Das – und nicht mehr – braucht es, um als authentischer Ausdruck der einen Kirche Jesu Christi gelten zu können.» Die Gleichsetzung einer verfassten Kirche mit der geglaubten Kirche Jesu Christi sei aus evangelischer Sicht undenkbar. «Alles Äusserliche ist fehlbar, also auch die evangelische und die römisch-katholische Kirche», so Wipf weiter.

Das Präsidium der GEKE, dem Thomas Wipf vorsteht, begrüsse es jedoch, dass das Papier zugestehe, die Hauptaussagen ergäben sich ,nach katholischer Lehre’. Dies räume den Kirchen der Reformation ein, nach evangelischer Lehre argumentieren zu können. Diese hätten freilich kein zentrales Lehramt, sondern stellten sich immer neu dem Diskurs. Durch diese stetige Selbsprüfung sei es auch möglich gewesen, 1973 mit der Leuenberger Konkordie ein starkes und handlungsfähiges Ökumenemodell zu erarbeiten. «Die Konkordie beruft sich auf die reformatorische Erkenntnis, dass Wort und Sakrament entscheidend sind. Das Evangelium konstituiert Kirche, nicht die apostolische Sukzession im Weihesakrament.» Damit seien die Kirchen der Reformation einen Schritt weiter: «Wir erkennen die römisch-katholische als Kirche an. Es ist und bleibt bedauerlich, dass dies andersherum nicht möglich gemacht wird», so Wipf.

Neben den theologischen Problemen gehe es noch um eine andere Frage, resümierte Thomas Wipf. «Von einem solchen Papier geht ein falsches Signal aus. Die Herausforderungen dieser Welt schreien förmlich danach, dass die Kirchen zusammenarbeiten. Gemeinschaft ist kein hehres Ziel, sondern unsere Aufgabe. Lehrmeinungen sind eminent wichtig – aber sie sind für uns nicht kirchentrennend.»

Zur Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa gehören 105 protestantische Kirchen, unter ihnen die Evangelisch-methodistische Kirche.


Quelle: Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa

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