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EMKNI - 13.07.2007   Zurück zur Übersicht

Schweiz: Der Dialog geht weiter

[Credits] Heinrich Bolleter, Bischof im Ruhestand der Evangelisch-methodistischen Kirche und Vertreter im World Methodist Council in Genf äussert sich zur Erklärung der Glaubenskongregation und schreibt nicht nur über die katholische, sondern auch über die protestantische Seite und fordert, dass der Dialog weitergehen soll.

„Der Dialog zwischen dem World Methodist Council und der Römisch-katholischen Kirche geht weiter. Die schnelle Reaktion der protestantischen Welt auf das neue Dokument der vatikanischen Kongregation für die Glaubenslehre war mehr oder weniger von Frustration gezeichnet.
In diesem Kontext ist es wichtig, die am St. Peters Tag veröffentlichen Erklärungen der Glaubenskongregation auch wirklich zu lesen. Es ist ein internes römisch-katholisches Dokument zur Sicherung der bisherigen Lehrmeinungen über die Kirche. Für alle evangelischen Kirchen, welche sich am Dialog mit der römisch-katholischen Kirche beteiligten, mag der Inhalt enttäuschend sein: es hat sich eben nichts geändert.
Der Text erwähnt jedoch auch das offene Verständnis des Werkes des Heiligen Geistes und spricht von den Erkennungszeichen kirchlicher Existenz in anderen Denominationen. Soweit ich die Presse gelesen habe, wird darauf jedoch kaum Bezug genommen.
Ich denke es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass der Weltrat Methodistischer Kirchen nun schon seit 40 Jahren einen Dialog mit der Römisch-katholischen Kirche führt. Im Jahr 1968 wurde der erste Bericht dieses Dialogs publiziert. Darin wurde festgehalten, dass das Ziel eines solchen Dialogs „volle Gemeinschaft im Glauben, in der Mission und im sakramentalen Leben“ sein soll. Wie das einmal möglich werden kann, ist nur auf dem Weg des Dialogs zu erarbeiten. An der jüngsten Tagung des World Methodist Council (2006 in Seoul) hat die Dialogkommission unter dem Titel „Die Gnade, die uns in Christus gegeben ist: Katholiken und Methodisten denken weiter nach über die Kirche“ berichtet. In diesem Bericht lesen wir: „Es ist Zeit, einander in die Augen zu sehen und mit Liebe und Achtung fest zu stellen, was wahrhaftig von Christus und vom Evangelium her die Kirche hier und dort prägt.“ Der Bericht hebt auch hervor, dass wir die Gaben, welche wir im anderen erkennen, miteinander austauschen. Dieser Bericht war im Bewusstsein bleibender Differenzen geschrieben, aber nicht von einem Ton der Frustration getragen.
Der Weltrat Methodistischer Kirchen hat auch die Frage, welche im ökumenischen Dialog in der Luft liegt, nämlich ob es als Ziel um „die sichtbare Einheit der Kirche“ oder um „die gegenseitige Anerkennung verschiedener Ausprägungen des Kircheseins“ geht, so beantwortet, dass er beide Fragen positiv beantwortet. Ja, es geht um beides.
Der Ökumenische Rat der Kirchen hat in dieser Diskussion im Jahr 2006 auch eine klare Stellung bezogen: „Jede Kirche ist ‚katholische’ Kirche und nicht nur ein Teil davon. Jede Kirche ist ‚katholische’ Kirche aber nie das Ganze für sich. Jede Kirche erfüllt ihre Katholizität, wenn sie in Beziehung zu den anderen Kirchen lebt.“
In diesem Licht, sollte die „Frustration“ der Protestanten nicht zur Dialogverweigerung führen sondern im Gegenteil zu einem vertieften Dialog anreizen. Die Dialogkommission des Weltrates Methodistischer Kirchen wird also ihre Beobachtungen und ihre Fragen in den fortgeführten Dialog einfliessen lassen.“


Quelle: Bischof Heinrich Bolleter, Vertreter des World Methodist Council in Genf

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