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EMKNI - 27.06.2007   Zurück zur Übersicht

Schweiz/Bulgarien: Abenteuer einer rüstigen Dame

Die Orgel der EMK Wädenswil vor ihrer grossen Reise[Credits] Ein nicht ganz alltägliches Geschenk macht die Evangelisch-methodistische Kirche (EMK) der Region Zimmerberg der EMK-Gemeinde in Sofia (Bulgarien): eine Orgel, die hierzulande niemand mehr brauchen kann, die aber noch in einem tipptoppen Zustand ist. Eine ungewöhnliche Spende, hinter der eine ungewöhnliche Geschichte steckt: Nachdem die Kirche der EMK in Thalwil vergangenes Jahr die Pforten schloss, entschieden die Verantwortlichen, die dortige Orgel nach Wädenswil zu überführen. Damit wurde die bisherige, kleine Wädenswiler Orgel überflüssig.

In Gesprächen mit dem Bischofssekretariat entstand die Idee, das Instrument nach Sofia zu verschenken, wo schon lange der Wunsch nach einer Orgel bestand. Die Tatsache, dass der in Sofia zuständige Pfarrer neben Bulgarisch auch Deutsch spricht, erleichterte die bisherigen Verhandlungen und Absprachen ungemein.

Nun galt es, für die Aktion jemanden zu finden, der über das nötige Fachwissen verfügte und der sich bereit erklärte, die Orgel abzubauen, zu verpacken und ausserdem im Sommer nach Südosteuropa zu reisen, um das Instrument in seiner neuen Heimat wieder aufzubauen. Die Wahl fiel schliesslich auf den Horgner Ruedi Wernli, den Hauswart des Hauses Tabea. «Im November letzten Jahres fragte mich mein Chef Urs Bangerter an, ob ich Interesse hätte, diese etwas aussergewöhnliche Aufgabe zu übernehmen», erzählt der gelernte Orgelbauer und erinnert sich schmunzelnd, ein paar Mal leer geschluckt zu haben, bevor er schliesslich als Erstes auf der Landkarte nachschaute, wo denn dieses Sofia überhaupt liege. Bald jedoch überwog die Neugier vor der Skepsis, und Wernli entschied: «Doch - das übernehme ich.» Ende Februar liess die EMK-Gemeinde in Wädenswil die Orgel schliesslich in ihre Einzelteile zerlegen, die nun bereits revidiert und sauber verpackt im Keller des Hauses Tabea auf ihre grosse Reise warten.

Voraussichtlich am 27. August 2007 soll die Orgel mit ihren über 300 Pfeifen in einen Lastwagen verladen werden und dann die Strecke von Horgen nach Sofia in Angriff nehmen. Einen finanziellen «Zustupf» für den geplanten Orgeltransport leistet der EMK-Bezirk Uzwil/Flawil, der seit längerer Zeit eine Gemeindepartnerschaft mit der EMK-Gemeinde in Sofia hat.

Ruedi Wernli wird einige Tage später gemeinsam mit seiner Frau nach Bulgarien fliegen, sodass er das Instrument dort gleich in Empfang nehmen kann, um dieses an seinem neuen Standort wieder geordnet auszuladen, zusammenzubauen und zu stimmen. «Dafür werden wir wohl etwa eine Woche brauchen», vermutet der Horgner. Das Problem, dass in Bulgarien aufgrund der sehr kleinen Anzahl an vorhandenen Orgeln kaum jemand weiss, wie das Instrument unterhalten, geschweige denn gestimmt wird, liegt auf der Hand. Doch das Problem werde sich irgendwie lösen lassen, meint er. Immerhin wurde bereits ein Orgelspieler bestimmt.

Damit zumindest das notwendige Werkzeug für eine Reparatur sicher vor Ort ist, wurde dieses schon gekauft und wird gemeinsam mit der Orgel im Lastwagen nach Sofia reisen. Nun freue er sich wirklich auf seine Arbeit in Bulgarien.

Am vergangenen Wochenende reiste Ruedi Wernli mit seiner Frau nach Sofia, um die Verantwortlichen der dortigen EMK-Gemeinde kennenzulernen, mit ihnen den definitiven Standort der Orgel festzulegen und die noch notwendigen baulichen Massnahmen zu besprechen. Hatte er anfänglich noch gemischte Gefühle, was er in Bulgarien antreffen würde, so sagte er nach seiner Erkundigungsreise nach Sofia: «Die Gastfreundschaft, die wir erlebt haben, hat uns tief berührt.»


Quelle: Zürichsee-Zeitung / Sekretariat des Bischofs Dr. Patrick Streiff

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