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EMKNI - 09.03.2007   Zurück zur Übersicht

Schweiz: Erste zertifizierte Laienpredigerin im Alter von 97 Jahren verstorben

[Credits] Frau Lini Hemmi ist am Zürichsee aufgewachsen und hatte sich im Alter von 16 Jahren in die Methodistengemeinde in Wädenswil als bekennendes Mitglied aufnehmen lassen. Das war 1926, also nach dem ersten Weltkrieg, in einer Zeit der wirtschaftlichen Krise, gefolgt von der schweren Zeit der Grippeepidemie. Ihre Glaubensüberzeugung und ihre starke Identifikation mit der Kirche war jedoch keine Flucht vor der Herausforderung in der Welt. Sie wollte ihren Glauben mit den Nachbarn und Freunden teilen. Dabei behielt sie eine Offenheit, welche sich in kritischer Distanz zu aller Frömmelei zeigte. Wer es wollte, hörte ihre geradezu prophetische Stimme, die sie gegen eine introvertierte Kirche erhob. Sie konnte kämpfen, und liebte die Diskussionen. Sie wünschte sich eine Reformation der Kirche. Eine Reformation, die nicht aus der Rebellion, sondern aus einem lebendigen Glauben kommt.

In den 40-er Jahren des letzten Jahrhunderts hatte sie mit den Juden und den Methodisten in Ungarn Kontakte gepflegt und ihnen in der schweren Zeit mit ihren Möglichkeiten geholfen. Auch in der Schweiz setzte sie sich für eine Anerkennung des Judentums ein und pflegte rege Kontakte zu jüdischen Familien. Sie sah im Judentum und Christentum zwei Glaubensweisen, die sich gegenseitig nicht ausschliessen.

Frau Hemmi war eine markante und auch eigenwillige Person. Ende der 50er Jahre besuchte sie den 4-jährigen Ausbildungsgang als Laienprediger in der EMK. Sie amüsierte sich köstlich darüber, dass man sie beim Besuch einer Weiterbildung am damaligen Theologischen Seminar in Frankfurt am Main auf der Liste als männlicher Teilnehmer führte. Sie musste sich als Frau für ein eigenes Zimmer wehren! Ihr Vorname war eben in deutschen Landen nicht bekannt und in der Kirche war es noch nicht üblich, dass sich Frauen als Laienpredigerinnen aus- oder weiterbildeten.

Frau Lini Hemmi war laut Bericht der Prüfungskommission im Jahre 1963 die erste lizenzierte Laienpredigerin der EMK in der Schweiz.

Lini Hemmi lebte zuletzt im Altersheim Au am Zürichsee. Am 2. März 2007 wurde sie heimgerufen.


Quelle: Heinrich Bolleter, Bischof im Ruhestand

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