Alte Version dieser Seite EMKNI en français
-
EMKNI - 28.03.2007   Zurück zur Übersicht

Makedonien: Segensspuren einer Schweizer Missionarin

[Credits] Am vergangenen Montag, 26. März 2007, wäre Rosa Verena Isler 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass hat Christina Cekov in Strumica/Makedonien eine gut 30 Seiten umfassende und mit vielen Illustrationen versehene Broschüre hergestellt, die auf eindrückliche Art und Weise Segensspuren einer vielseitig begabten und engagierten Schweizer Missionarin sichtbar macht.

Rosa Isler, von ihren Verwandten und Freunden stets Rösli genannt, wurde in Volketswil/ZH in eine grosse Familie geboren. Nach ihrer Schulzeit und einer dreijährigen Arbeit als Sekretärin in Horgen nahm sie die Stelle einer Gouvernante bei einer französischen Familie an, mit der sie auch für knapp ein Jahr nach Tunesien ging. Diese Zeit in Nordafrika wurde für sie zum Schlüsselerlebnis und weckte in ihr den Wunsch, als Missionarin nach Afrika zu gehen.

Unterstützt von David Lerch, dem damaligen Prediger ihrer methodistischen Gemeinde in Horgen, wurde sie 1932 von der Frauenmissionsgesellschaft der Methodistenkirche für Innere und Äussere Mission zu einer missionstheologischen Ausbildung nach Selly Oak in England gesandt.

Rosa Islers Hoffnung, nach ihrem Studium von der Frauenmissionsgesellschaft nach Afrika entsandt zu werden, sollte sich nicht erfüllen. Ihr Weg führte sie vielmehr 1936 nach Novi Sad ins damalige Königreich Jugoslawien - und Rosa Isler nahm diesen Weg als Gottes Führung und Berufung an. In Novi Sad arbeitete sie im Krankenhaus für Herz- und Nervenkranke «Bethanien» sowie als Sekretärin für den Superintendenten der Methodistenkirche im Königreich Jugoslawien, Georg Sebele. Sprachbegabt, wie sie war, lernte sie die serbokroatische Sprache sehr schnell.

An der Jährlichen Konferenz 1937 in Strumica/Makedonien wurde Rosa Isler von Bischof John Nuelsen nach Makedonien versetzt. Zuerst arbeitete sie als Gemeindehelferin in Skopje. Diese Arbeit beinhaltete sehr bald auch eine umfangreiche Hilfe für Soldaten aus protestantischen Familien aus ganz Jugoslawien, die in Skopje stationiert waren und die Kirche füllten. Sie leistete in diesem Zusammenhang viele Übersetzungsdienste für Angehörige vermisster Soldaten bei den Behörden und besuchte verwundete Soldaten im Lazarett. Als besondere Aufgabe wurden Rosa Isler dann auch die Aussenstationen von Skopje - Pristina und Kosovska Mitrovica - ans Herz gelegt, da der Gemeindepfarrer in Skopje meist die Zeit nicht fand, diese abgelegenen Gemeinden zu besuchen. Rosa Isler machte dort Hausbesuche, hielt Gottesdienste und baute eine Sonntagschule sowie eine Frauengruppe auf. Im Jahr 1940 organisierte sie die erste Feier in Makedonien zum Weltgebetstag.

1941 wurde Makedonien von Bulgarien besetzt, so dass Rosa Isler nun auch noch Bulgarisch lernen musste. Ende 1942 zog Rosa Isler von Skopje nach Strumica, um dort auf einem neuen Arbeitsfeld Dienst zu tun. Sie hielt wöchentlich Frauenstunden, übte Lieder mit dem Chor und engagierte sich in der Jugendarbeit. Mit ihrem Missionsesel besuchte sie auch oft das Bergdorf Veljusa und andere, weiter entfernte Dörfer.

1943 erhielt Rosa Isler die Genehmigung, in den Heimaturlaub zu fahren. Bevor sie ging, wurde ihr von der bulgarischen Besatzungsmacht die Zusicherung gegeben, nach ihrem Urlaub wieder einreisen zu können. Die bulgarische Botschaft in Bern verweigerte ihr aber das Wiedereinreise-Visum, weshalb Rosa Islers Missionseinsatz in Makedonien ein plötzliches und unfreiwilliges Ende fand.

Nach der Rückkehr in die Schweiz arbeitete Rosa Isler bei verschiedenen Industriebetrieben in Horgen in der Administration; später fand sie eine Anstellung als Sekretärin im Baptistischen Theologischen Seminar in Rüschlikon. 1980 zog sie ins Stapferheim in Horgen, wo sie nach langer Krankheit am 11. August 1998 verstarb.

Nachdem Rosa Isler wusste, den Missionseinsatz in Makedonien nicht mehr fortsetzen zu können, schrieb sie in der Zeitschrift «Der Missionsbote»: «Gottes Geist ist auch heute noch am Wirken im Balkan, trotz allerlei Widerständen und Schwierigkeiten. Es war ein einzelner Mann, der dem Paulus des Nachts im Traum erschien und ihn bat: Komm herüber nach Mazedonien und hilf uns! Der Ruf erschallt auch heute noch. Nicht immer laut und vernehmlich, nicht im Chor ganzer Menschenscharen, aber er ist da. Wohl uns, wenn wir ihn vernehmen und ihm Folge leisten.»

Die Broschüre von Christina Cekov kann gegen einen Unkostenbeitrag von CHF 10.00 im Sekretariat des Bischofs Dr. Patrick Streiff bezogen werden (044 299 30 60).


Quelle: Urs Schweizer - Assistent des Bischofs Dr. Patrick Streiff

-----------
Bitte senden Sie Ihre Bemerkung an die folgende Mailadresse:
"emknews-redaktion at umc-europe punkt org"