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EMKNI - 12.10.2007   Zurück zur Übersicht

Schweiz/Rumänien: Zur Ökumene gibt es keine verantwortliche Alternative

Foto: CCEE-KEK / Ag. SicilianiVor rund einem Monat endete die 3. Europäische ökumenische Versammlung, die vom 4. bis 9. September in Sibiu, Rumänien, stattfand. Sven Büchmeier, war einer der drei Delegierten, die für die Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) Schweiz-Frankreich daran teilnahmen. Er berichtet über die Versammlung in Sibiu und zieht aus zeitlicher Distanz Bilanz:
Insgesamt darf die Wirkung des Treffens in Sibiu nicht unterschätzt werden. Allein die Tatsache, dass über 2000 Delegierte der verschiedenen Kirchen aus ganz Europa sich getroffen haben, um über kirchliche und gesellschaftliche Belange zu sprechen, ist ein wichtiges Symbol. Es war das erste Mal, dass eine ökumenische Grossveranstaltung in einem mehrheitlich orthodox geprägten Land stattfand. Für viele Delegierte war Sibiu somit ein Ort der Begegnung und des Kenenlernens der reichen und vielfältigen Tradition orthodoxen Christentums. Auch von orthodoxer Seite wurde die Bedeutung des Dialogs sehr betont. Erfreulich war, dass von der Orthodoxie her erstmals nicht der Vorwurf der Proselytenmacherei gegenüber anderen christlichen Konfessionen erhoben wurde. Und von den orthodoxen Vertertern ging ein starker Impuls aus, was das Engagement der Kirchen zur Umweltproblematik anbelangt. So einigte sich die Konferenz darauf, den Kirchen Europas die Periode vom 1. September bis zum 4. Oktober für das Gebet und für Aktionen zum Erhalt der Schöpfung zu empfehlen. Der Vorschlag dazu kam vom Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios, der sich auch unter dem Eindruck der Diskussion des EU-Beitritts der Türkei redlich um eine Einigung der Kirchen des Kontinents bemüht.
Als Erfolg darf auch gewertet werden, dass an der Versammlung Streitigkeiten zwischen dem kirchlich so anders geprägten Osten und dem Westen im Wesentlichen ausgeblieben sind. Die unzähligen Begegnungen und Gespräche der Delegierten während dieser Tagung gehören aber mit Sicherheit zum Wertvollsten dieser Versammlung.
Ein weiteres hoffnungsvolles Zeichen waren die zahlreichen Grussworte, die den eindeutigen Willen und die feste Bereitschaft zur ökumenischen Zusammenarbeit bekräftigten. Kardinal Walter Kasper von der Römisch-Katholischen Kirche brachte es in seinem Grusswort auf den Punkt: „Zur Ökumene gibt es keine verantwortliche Alternative!“ Der Versuch, Übereinstimmungen zwischen den Kirchen zu finden, habe sich als fruchtbar erwiesen. „Aber im Moment kommen wir damit nicht sehr viel weiter.“ Künftig sollten die Christen einander ihre Positionen in ehrlicher und einladender Weise bezeugen: „Statt uns auf dem kleinsten Nenner zu treffen, können wir uns mit den uns geschenkten Reichtümern gegenseitig bereichern“, definierte Kardinal Kasper die Zukunft der Ökumene.
In Sibiu wurde deutlich, dass die gemeinsame Spiritualität und das gemeinsame Zeugnis der Christen im vereinten Europa im Mittelpunkt der zukünftigen ökumenischen Zusammenarbeit stehen sollen. Dies brachte auch der EKD-Ratsvorsitzende Bischof Wolfgang Huber in seinem Votum zum Ausdruck: „Die Grundlage allen gemeinsamen Wirkens unserer Kirchen ist die Spiritualität, das gemeinsame Hören und Beten. Wir sollten als Kirchen gemeinsam die Menschen in Europa dabei unterstützen, die Tiefe spiritueller Erfahrung wahrzunehmen, die in der christlichen Überlieferung unseres Kontinents enthalten ist“.
Das Schlussdokument der Versammlung ist nach eingehender Diskussion recht lang geworden, beinhaltet aber sehr ernst zu nehmende Verpflichtungen und Empfehlungen, die sowohl die Einheit der Kirchen fördern und stärken als auch das Zusammenleben der Menschen in Europa befruchten können. In deutscher Sprache ist dieses Dokument auf der Homepage der Schweizer Bischofskonferenz (www.kath.ch) abrufbar.


Quelle: Sven Büchmeier, Vorsitzender EMK-Ausschuss für kirchliche Beziehungen

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