Alte Version dieser Seite EMKNI en français
-
EMKNI - 14.04.2008   Zurück zur Übersicht

Österreich: EMK-Zeitschrift arbeitet Nazi-Zeit auf

Helmut Nausner hat eine Studie zur Evangelisch-methodistischen Kirche in der Nazi-Zeit veröffentlicht.Im März 2008 jährte sich zum 70. Mal der „Anschluss“ Österreichs an Nazi-Deutschland. Am 12. März 1938 marschierten deutsche Truppen in Österreich ein und wurden von der Bevölkerung begeistert empfangen. Auch die Mehrheit der österreichischen Methodisten begrüsste die Vereinigung mit Deutschland sehr und sah darin Gottes Willen. Dies zeigt ein Artikel in der Zeitschrift der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) in Österreich.

Der „Methodist“ veröffentlichte in der März-Ausgabe Auszüge aus einer Studie von Professor Helmut Nausner, pensionierter Pfarrer und ehemaliger Superintendent der EMK Österreich. Nausner zeigt anhand von Originaldokumenten auf, wie in der EMK Österreich der Anschluss an Nazi-Deutschland befürwortet und sogar verklärt wurde. „Noch immer stehen wir unter dem Eindruck der überwältigenden Einmütigkeit und Begeisterung“, wie das österreichische Volk die Vereinigung „mit dem grossen deutschen Vaterland“ begrüsst habe, heisst es im April 1938 im Leitartikel des „Evangelisten für die Donauländer“, wo zudem die ganze Rede von Adolf Hitler auf dem Wiener Heldenplatz abgedruckt war. Dabei glaubte man in den Ereignissen durchaus „Gottes gnädige Führung“ zu erkennen. In der gleichen Nummer schreibt der für die Jugend zuständige Pastor Karl Seliger am Schluss seines Artikels: „Lasst uns Christus an allen Orten freudig bekennen, denn wir brauchen uns unseres himmlischen Führers in keiner Weise schämen. Unsere Parole lautet: Mit Christus in die neue Zeit!“

Sowohl Nausner als auch der Redaktor des „Methodisten“, Lothar Pöll, bedauern nicht nur die damalige „Fehleinschätzung“ der Österreicher EMK. „Das Schlimme ist, dass man nach 1945 nicht Busse getan hat, sondern schweigend und verdrängend zur Tagesordnung übergegangen ist“, schreibt Pöll.

Bis zum Ende des Krieges, so Nausner, habe „eine tiefe Loyalität mit der Regierung das Handeln und Denken methodistischer Christen“ bestimmt. Man habe für den Führer und für den Sieg der deutschen Waffen gebetet. In vielen Telegrammen sei dem Führer „treue Fürbitte“ versprochen worden. Nausner abschliessend: „Ich glaube, dass wir heute anfangen müssen, ernsthaft und beharrlich über diese Zeit zu sprechen und die Zusammenhänge, so weit sie uns zugänglich sind, transparent zu machen.“

Literatur zum Thema:
Der gesamte Text der Studie von Prof. Pastor Helmut Nausner kann nachgelesen werden in: „Studiengemeinschaft für Geschichte der Evangelisch-methodistischen Kirche, 27.Jg/Heft 1, März 2006, S. 6-38.

Bereits 1999 wurde folgende Studie herausgegeben, die anhand der Evangelisch-methodistische Sonntagspresse die gleiche Epoche in der Schweiz beleuchtet: Michel Weyer, Evangelisch-methodistische Sonntagspresse in der Schweiz 1933-1948 besonders in ihren Äusserungen zum Judentum“, Evangelisch-methodistische Kirche in der Schweiz 1999“. Bestelladresse: urs.schweizer@umc-europe.org


Quelle: Barbara Streit-Stettler, Kommunikationsbeauftragte

-----------
Veröffentlichung nur mit Quellenangabe "EMK News" gestattet!
Bitte senden Sie Ihre Bemerkung an die folgende Mailadresse:
"emknews-redaktion at umc-europe punkt org"