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EMKNI - 05.02.2008   Zurück zur Übersicht

Deutschland: Professor Jürgen Moltmann im Theologischen Seminar Reutlingen

Professor Jürgen MoltmannZum Abschluss des Wintersemesters hielt der renommierte Professor der Theologie Jürgen Moltmann eine Gastvorlesung am Theologischen Seminar in Reutlingen. Die Aula der deutschsprachigen Ausbildungsstätte der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) platzte beim öffentlichen Vortrag des für die Befreiungstheologie so wichtigen Denkers aus allen Nähten.

Moltmann brachte in seinem Vortrag die Inhalte seines Buches "Der gekreuzigte Gott" mit einigen Ereignissen seines eigenen Lebens in Verbindung. Das Buch ist längst ein Klassiker der evangelischen Theologie und seit 1972 immer wieder neu aufgelegt und in viele Sprachen übersetzt worden. In verschiedenen Erfahrungen am Ende des zweiten Weltkriegs quälte Moltmann angesichts der Gottlosigkeit der Täter und der Gottverlassenheit der Opfer die Frage: "Gott, wo bist du?" Diese Frage kann eine Antwort nur finden in einer Theologie des Kreuzes, die mit Gottes Verborgenheit ringt. Martin Luther hatte diese reformatorische Theologie schon früh einer mittelalterlichen Theologie der Erkennbarkeit Gottes entgegengestellt. Nun fragt Moltmann aber weiter, ob Gott sich wie ein von Philosophen gedachter Gott fern von der Welt vor ihrem Leid verschließe, oder ob er ein unter uns leidender und ein leidenschaftlicher Gott sei. Und er gibt eine eindeutige Antwort: Jede christliche Theologie muss Gott in der Passion Christi und in Gott die Passion erkennen. Denn ein leidensunfähiger Gott wäre auch ein liebesunfähiger Gott. Dieser aber stehe im Mittelpunkt des christlichen Glaubens.
Einige Kritiker aus der katholischen Theologie und Dorothee Sölle brachte Moltmann am Ende seines Vortrages selbst ins Spiel. Ihren Hauptvorwurf, seine Theologie setze allzu sehr auf diese eine Seite des göttlichen Wesens, widerlegt er mit einem Hinweis auf seine späteren Bücher.
Erstaunlich, mit welcher Wachheit, theologischen Präzision und rhetorischen Geradlinigkeit und mit welch einer Freundlichkeit der 82-jährige Moltmann im Vortrag und in der Diskussion präsent war. Ein Höhepunkt des vergangenen Semesters am theologischen Seminar in Reutlingen!


Quelle: Christof Voigt, Theologisches Seminar Reutlingen

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