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EMKNI - 09.01.2008   Zurück zur Übersicht

Kenia: Statement des methodistischen Bischof Daniel Wandabula zur gegenwärtigen Situation

In einem Schreiben vom 7. Januar 2008 berichtet der für die Evangelisch-methodistische Kirche (EMK) in der Ostafrikanischen Jährlichen Konferenz zuständige Bischof Daniel Wandabula über die schwierige Situation der Menschen in Kenia:

«Die sich seit den umstrittenen Präsidentschaftswahlen vom 27. Dezember 2007 verschlechternde Situation in Kenia hat das Leben von zahlreichen unschuldigen Menschen gefordert. In offiziellen, zurückhaltenden Schätzungen ist von 240 Todesopfern die Rede; unabhängige Berichten zufolge haben bis zum 5. Januar 2008 aber mehr als 400 Personen ihr Leben verloren. Die durch die Zusammenstösse ums Leben gekommenen Zivilpersonen waren vor allem Kikuyu, Luo und Angehörige anderer ethnischer Gruppen. Insgesamt sind mehr als 250'000 Menschen aus ihrer Heimat vertrieben und damit obdachlos geworden.

Die sechs Distrikte der EMK in Kenia - Nairobi, Nakuru, Naivasha, Busia (an der Grenze zu Uganda), Zentral-Nyanza und Süd-Nyanza - sind von den Unruhen nicht verschont worden. Viele Menschen methodistischer Gemeinden sind vertrieben worden, einige auch getötet. Ausserdem haben viele ihr Eigentum verloren. Eine Gruppe von 30 Menschen, die sich vor den Gewalthandlungen retten wollte, kam ums Leben, als ihr Boot bei der Überquerung eines Flusses sank.

Die von der EMK gegründeten Schulen in Nairobi, Nakuru und Naivasha sind als Notunterkunft für Vertriebene zur Verfügung gestellt worden. Unsere Gemeinden sind ernsthaft betroffen worden, indem viele Familien vertrieben worden sind. Ein Teil von ihnen sucht Zuflucht in Polizeigebäuden, Kirchen und anderen religiösen Gebäuden, vor allem in Nairobi, Kisumu und Mombasa. Es ist unser Gebet und unsere Hoffnung, dass die Gewalt bald zu einem Ende kommen möge. Wir haben davon gehört, dass am Neujahrstag mindestens 50 unschuldige Menschen, viele von ihnen Frauen und Kinder, die Zuflucht in einer Kirche der Assemblies of God gesucht hatten, vom Mob attackiert und bei lebendigem Leib verbrannt worden sind.

Eine EMK-Gemeinde im Naivasha-Distrikt hat bisher mehr als 250 Menschen, vor allem Kinder und Frauen, aufgenommen, die auf der Suche nach Sicherheit sind. Frau Hendrick Ouma Alois, die Präsidentin des Frauendienstes des Nairobi-Distrikts, wurde gezwungen, mehr als 50 Menschen in ihrem Haus in Kajiado (in der Provinz Rift Valley) aufzunehmen. Die Menschen sind zu Flüchtlingen in ihrem eigenen Land gemacht worden.

Es gibt eine wachsende Anzahl von Menschen, welche die Landesgrenzen überquert und insbesondere nach Uganda und Tansania flieht. Mitglieder der EMK in Uganda haben bisher diese Schwestern und Brüder aufgenommen - und sind dadurch stark herausgefordert worden. Wir sind deshalb erleichtert, dass das methodistische Hilfswerk UMCOR in Betracht zieht, finanzielle Nothilfe zu leisten, um das Leiden in den provisorischen Notquartieren zu lindern. Insbesondere Lebensmittel, sauberes Wasser, Kleider, Medikamente, Decken, Notunterkünfte, Moskito-Netze und elementare Haushaltsgegenstände sind dringend notwendig.

Wir bitten Sie, für unsere Geschwister, die gegenwärtig diese aufreibende und kritische Situation erleben, zu beten. Wir sind Gott dankbar, dass die Mehrzahl unserer Kirchenglieder und Missionare in Kenia bisher vom Schlimmsten verschont geblieben sind. Am vergangenen Sonntag, 6. Januar 2008, haben alle Gemeinden in der Ostafrikanischen Jährlichen Konferenz um Frieden und Versöhnung zwischen den sich bekämpfenden Gruppen gebetet. Als Kirche sind wir verbunden mit all den Menschen, die unter der Ungerechtigkeit, der Gewalt, dem Verlust von Angehörigen und Freunden, dem Verlust ihres Eigentums und dem allgemeinen Zusammenbruch des täglichen Lebens leiden.

Wir beten darum, dass in Kenia wieder Frieden einkehren und der Konflikt dauerhaft gelöst werden möge. Ich rufe alle Menschen guten Willens auf, zur Lösung des Konflikts beizutragen: durch Gebet, Beeinflussung der Konfliktparteien, Beratung und materielle Hilfe für die vertriebenen Menschen in den verschiedenen betroffenen Ländern Ostafrikas.»


Quelle: Bischof Daniel Wandabula (Übersetzung: Urs Schweizer)

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