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EMKNI - 11.06.2008   Zurück zur Übersicht

USA: Damit sich Eltern und Kinder verstehen

Als Nancy Jayne in der örtlichen Bibliothek von Whitesboro, NY (USA), ein Buch über Gebärdensprache für Kleinkinder in die Hände kam, wusste sie noch nicht, wie sehr ihr dieses den Weg zu einem ganz neuen Verstehen ihres Enkels zeigen würde. Aber als sie sich eingehender damit beschäftigte, tat sich ihr eine ganz neue Kommunikationswelt auf. Heute unterrichtet die frühere Lehrerin als freiwillige Mitarbeiterin der Trinity United Methodist Church in Whitesboro Kinder und ihre Eltern in der Gebärdensprache - übrigens dieselbe Sprache, die auch als Standardsprache für gehörlose Erwachsene verwendet wird.

«Dank der Gebärdensprache können Kleinkinder zum Ausdruck bringen, was sie möchten - dass sie Hilfe brauchen, dass sie Durst haben, dass sie etwas anderes haben möchten. Auf diese Weise gibt es viel weniger Frustrationen als beim ‚Ich-weine-und-du-findest-heraus-weshalb-Spiel’.»

Teresa Jones war skeptisch, als sie sich für einen Kurs anmeldete. «Als ich zum ersten Mal davon hörte, dachte ich, dass dies verrückt sei und nicht funktionieren würde.» Aber dann lernte ihre dreijährige Tochter Lucy etwa 100 Wörter in der Gebärdensprache, bevor sie sprechen konnte. «Ich war so begeistert, wie sie diese Sprache lernte und wie wir in der Lage waren, miteinander zu kommunizieren!», sagt Teresa Jones. «Dies war eine der besten Entscheidungen, die ich als Mutter traf.»

Die ersten Zeichen, welche die halb- bis zweijährigen Kleinkinder gewöhnlich lernen, beziehen sich auf ihre Grundbedürfnisse: Essen, Trinken, Mehr, Genug. «Kommunikation ist so wichtig!», sagt Nancy Jayne. «Vor Jahren hätten wir nicht geglaubt, dass kleine Babies selber in der Gebärdensprache kommunizieren könnten - aber sie können es. Und dies öffnet wirklich ein Fenster in ihre Gedankenwelt.

Die Pfarrerin der Trinity United Methodist Church, Marilyn Baissa, weiss, dass dieses Angebot in ihrer Gemeinde ungewöhnlich ist. Aber sie sagt auch: «Als Gemeinde möchten wir uns für Familien und Kinder einsetzen, und wir denken, dass Familien von diesem Angebot wirklich profitieren können.» Dass die Gebärdensprache hilft, die eine oder andere Stress-Situation im Familienalltag zu entschärfen, bestätigt auch Jessica Collis, deren Kinder am Kurs teilnahmen. «Uns sind dank der Gebärdensprache tatsächlich eine Menge Frustrationen erspart geblieben, die sonst entstehen, wenn Eltern und Kinder einander nicht verstehen. Wir konnten miteinander sprechen, bevor wir miteinander sprechen konnten.»

Auf einen positiven Nebeneffekt der Kurse weist Nancy Jayne hin: «Ich habe schon viele Anrufe von Eltern mit gehörlosen Kindern erhalten, die beklagten, ihre Kinder hätten ein einsames Leben. Nun hoffe ich, dass die Kleinkinder und Eltern, die meine Kurse besuchen, auch später dranbleiben, damit sie sich zumindest in einigen elementaren Dingen auch mit gehörlosen Kindern unterhalten können.»


Quelle: United Methodist News Service

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