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EMKNI - 19.05.2008   Zurück zur Übersicht

Schweiz: Islam-Seminar fand grosses Interesse

Es waren jedes Mal etwa 60 Personen, die die vier Abende zum Thema „Der Islam – was müssen wir von ihm wissen?“ im März und April 2008 in Horgen besuchten. Eine solche Beteiligung hatte die einladende Evangelisch-methodistische Kirche (EMK) Zimmerberg kaum zu erhoffen gewagt. Mehr als die Hälfte der Teilnehmenden gehörten nicht zur EMK. Einzelne brachten selber einen muslimischen Hintergrund mit.

Zu den Abenden gehörten jeweils ein Impulsreferat, Gespräche an den Tischen sowie eine offene Fragerunde. Den Hauptteil der inhaltlichen Vorbereitung leistete der Theologe und Psychologe Claus D. Eck, der ein äusserst umfangreiches Wissen über Geschichte und Theologie des Islam präsentierte. Begleitet von interessanten Bildern, vermochte er auch komplizierte Sachverhalte lebendig und prägnant darstellen – immer mit aktuellen Bezügen und Verbindungen zum christlichen Verständnis. Dankenswert ist auch seine umfangreiche schriftliche Dokumentation des Stoffes.

Am dritten Abend konnten wir mit Frau Osman-Besler, eine praktizierende Schweizer Muslima, begrüssen. Sie stellte die Grundsäulen des gelebten Glaubens im Islam vor. Eine lebhafte Diskussion entzündete sich an der „Kopftuchfrage“: Frau Osman-Besler betonte, dass sie sich mit Kopftuch sehr wohl fühle. Ihre Tochter, die sie an diesem Abend begleitete, hat dagegen das Kopftuch abgelegt und kleidet sich wie andere Schweizerinnen auch. Beides gibt es im Islam.

Ein weiteres Thema war die Frage nach dem islamistischen Terrorismus, war doch gerade in jenen Wochen der antiislamische Propagandafilm „Fitna“ von Geert Wilders im Internet präsent. Alle Teilnehmenden des Seminars, Christen wie Muslime, verband die Ablehnung von Gewaltexzessen im Nahen Osten und anderswo. Claus D. Eck konnte anschaulich machen, wie die Spirale der Gewalt funktioniert und die Radikalisierung von mehreren Seiten angeheizt wird. Undifferenzierte Islamfeindlichkeit wirkt dabei ebenso zerstörerisch wie pauschale Verdammung des „bösen Westens“. Eine gemeinsame Aufgabe von uns europäischen Christen und Muslimen besteht dagegen darin, den Missbrauch von Religion aufzudecken, Traditionen des Friedens, der Gastfreundschaft und der Versöhnung aus den jeweiligen heiligen Schriften zu beleben, sowie reformerische Kräfte in beiden Religionen zu stärken.

Auf den Rückmeldeblättern zum Seminar finden sich Reaktionen von „interessant“ und „anspruchsvoll“ bis hin zu „Ich bin begeistert.“ Auch wenn keineswegs alle immer einig wurden: das Seminar hat zum Nachdenken und zu vielen Gesprächen angeregt und sicher auch Feindbilder abgebaut. In der Begegnung mit dem Fremden lässt sich nicht zuletzt das Eigene besser verstehen. Das gilt auch für den Glauben. Jemand hat notiert: „Ich habe mitgenommen, dass wir vor Gott letztlich alle als Geschwister dastehen, ganz gleich welcher Religion wir angehören. Vielen Dank für die tollen Abende!“

Bestelladresse für die schriftliche Dokumentation des Islamseminars: Stefan Weller, Pfarrer der EMK Zimmerberg, Rosenbergstrasse 4, Postfach 482, 8820 Wädenswil, Tel. 044 780 30 95, stefan.weller@umc-europe.org


Quelle: Stefan Weller

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